Die Kleine Synagoge in Erfurt.

Wie geht es weiter mit Erfurts kolonialem Erbe?

Unter dem Titel „Wie weiter mit Erfurts kolonialem Erbe?“ laden das Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt, die Landeszentrale für politische Bildung Thüringen und die Stadt Erfurt alle Interessierten zu einer Podiumsdiskussion am Donnerstag, 12. Dezember, um 19.30 Uhr, in die Begegnungsstätte Kleine Synagoge, An der Stadtmünze 4-5, ein.

Nachdem der Kolonialismus lange als Randnotiz der deutschen Geschichte angesehen wurde, ist er in den vergangenen Jahren in den Blick einer breiten Öffentlichkeit getreten – sei es aufgrund der Forderungen nach einer offiziellen Entschuldigung der Bundesregierung für den Genozid an den Herero und Nama, sei es wegen der Debatte um die Zukunft kolonial angeeigneter Sammlungsobjekte, die durch den französischen Restitutionsbericht von Felwine Sarr und Bénédicte Savoy an Fahrt gewonnen hat. Was aber hat das alles mit Erfurt zu tun? Vor welche Herausforderungen stellt der Kolonialismus die hiesige Stadtgeschichtsschreibung und Kulturpolitik? Was können städtische Einrichtungen tun, wo ist die Erfurter Zivilgesellschaft gefragt? Konkret: Was passiert mit der „Südseesammlung“, die der Erfurter Kolonialbeamte Wilhelm Knappe seiner Heimatstadt im Jahr 1889 verkauft hat? Wie sieht ein angemessener Umgang mit dem Burenhaus und anderen kolonialen Spuren im Stadtbild aus? Welche Rolle spielt das koloniale Erbe im Selbstverständnis einer demokratischen, diversen und weltoffenen Stadt?

In Kooperation mit dem Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt und der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen lädt die Landeshauptstadt Erfurt zu einem Podium ein, auf dem diese und weitere Fragen zum Umgang mit Erfurts Kolonialgeschichte diskutiert werden. Es diskutieren: Viviann Moana Wilmot (Initiative „Schwarze Menschen in Deutschland“), Dr. Urs Lindner (Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt und Decolonize Erfurt), Sarah Laubenstein (amt. Kulturdirektorin, Stadtverwaltung Erfurt) und Dr. Tobias J. Knoblich (Beigeordneter für Kultur und Stadtentwicklung, Stadtverwaltung Erfurt). Moderiert wird die Veranstaltung von Dr. Martin Eberle, Direktor der Museumslandschaft Hessen-Kassel.

Übrigens: Eine Ausstellung von Studierenden der Universität Erfurt unter Anleitung von Dr. Urs Lindner (Max-Weber-Kolleg) zu Erfurts kolonialem Erbe ist aktuell in der Universitätsbibliothek Erfurt zu sehen.