Vortrag: „Sollten Geflüchtete dankbar sein?“

Im Rahmen der Tagung „The Shadow Side of Gratitude“, zu der das Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt vom 3. bis 5. Juli nach Erfurt ins Bildungshaus St. Ursula einlädt, findet am Mittwoch, 3. Juli, auch ein öffentlicher Gastvortrag in deutscher Sprache statt. Darin spricht Marie-Luise Raters (Potsdam) zum Thema: „Von Gutmenschen, guten Menschen und geflüchteten Menschen. Reflexionen zur Frage, ob Geflüchtete dankbar sein sollen“. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen. Beginn ist um 19 Uhr im Max-Weber-Kolleg, am Steinplatz 2, Raum 805.

Viele Menschen erwarten Dankbarkeit von den Geflüchteten, die in unserem Land aufgenommen worden sind. Häufig liest oder hört man den Satz „Geflüchtete sollten dankbar sein“. Der Vortrag fragt, was dieser Satz bedeutet und ob er richtig ist. Eine Pflicht zur Dankbarkeit kann es offensichtlich nicht geben: Das gilt auch für Geflüchtete. Dankbarkeit ist vielmehr Supererogation, nämlich eine moralisch wünschenswerte Handlungsweise, die über die Pflicht hinausgeht. Aber sollte man nicht jedermann zur Dankbarkeit raten, weil Dankbarkeit ein sympathischer Ausdruck einer Tugendhaltung ist? Wer sich dankbar für erwiesene Wohltaten zeigt, wird gemocht und geschätzt. Das gilt wiederum auch für Geflüchtete. Doch wofür genau und in welchem Umfang ist Geflüchteten Dankbarkeit anzuraten? Vor allem diese Fragen wird der Vortrag zur Diskussion stellen.

Marie-Luise Raters ist apl. Professorin am Lehrstuhl für Angewandte Ethik der Universität Potsdam. Sie lehrt und forscht zur Praktischen Philosophie (u.a. zum moralischen Dilemma und zur Supererogation), zur Didaktik der Ethik und zum Pragmatismus (u.a. zur pragmatistischen Religionsphilosophie und Ästhetik).

Flyer zur Tagung