Internationales Begegnungszentrum der Uni Erfurt (IBZ)

Tagung zur Zukunft demokratischer Ordnungen

„Global Constitutionalism und die Zukunft demokratischer Ordnungen – Herausforderungen und Perspektiven“ lautet der Titel einer Tagung, zu der die Universität Erfurt vom 15. bis 17. November ins Internationale Begegnungszentrum, Michaelisstr. 38, einlädt. Organisatoren sind Dr. Oliver W. Lembcke (Erfurt) und Dr. Verena Frick (Göttingen).

Der Raum jenseits des Staates ist heute geprägt von einer Vielzahl an dezentral ablaufenden Konstitutionalisierungsprozessen, im Zuge derer öffentliche Gewalt auf internationaler Ebene entsteht. Das derzeit in der Politischen Theorie und Rechtswissenschaft heiß diskutierte Paradigma des „Global Constitutionalism“ versteht sich als Antwort auf den damit einhergehenden gestiegenen Legitimationsbedarf internationaler politischer Herrschaft und steht im Zentrum der Tagung. Konstitutionelle Autorität wird im Global Constitutionalism aus freistehenden Prinzipien wie Menschenrechten, Demokratie oder „rule of law“ abgeleitet und setzt als Träger den interpretativen Konsens der judiziellen Akteure voraus, der sich auf dem Weg der Auslegung Geltungskraft verschafft. Der Global Constitutionalism wirft daher eine Reihe von demokratietheoretisch relevanten Fragen auf, bleibt doch im Kern offen, wie konstitutionelle Prinzipien ohne Rekurs auf demokratische Verfahren gerechtfertigt werden können (und sollen), zumal die zentralen Akteure, nämlich zuvorderst Gericht, innerhalb einer so verstandenen Legitimitätskonzeption gerade nicht in einem demokratischen Repräsentations- und Verantwortungszusammenhang stehen.

Angesichts der Diskrepanz zwischen empirischen Befunden und normativen Konstruktionen ist es deshalb das Ziel der Tagung, Antworten auf die Frage nach der demokratischen Legitimation des Global Constitutionalism zu eruieren und die Möglichkeiten einer Demokratisierung internationaler Herrschaft zu diskutieren. Die vertiefte Kooperation von Politikwissenschaft und Rechtswissenschaft erscheint dabei angezeigt, da sich bislang Demokratietheorie und Völkerrechtswissenschaft nicht als ‚natürliche Gesprächspartner’ erwiesen haben. Die Tagung will eine Brücke zwischen den Disziplinen schlagen und etablierte Vertreter sowie den wissenschaftlichen Nachwuchs aus den Bereichen Politikwissenschaft, politische Theorie, Völkerrechtswissenschaft und Rechtstheorie zu einem interdisziplinären Dialog einladen.

Am Donnerstagsabend (15.11.) um 18 Uhr wird es einen öffentlichen Keynote-Vortrag von Richard Bellamy (EUI Florenz) zum Thema „Global Constitutionalism in the European Demo(i)cracy“ geben. Studierende und alle Angehörigen der Universitäten sind herzlich dazu eingeladen.

Programm-Flyer