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Wie funktioniert die Thüringer Kulturpolitik?

Wie funktioniert eigentlich die Thüringer Kulturpolitik und wer sind die wichtigen Akteure – diesen Fragen widmet sich Michael Flohr von der Universität Erfurt in seiner Doktorarbeit. Die Ergebnisse seiner Forschung erscheinen am 27. Juli unter dem Titel „Kulturpolitik in Thüringen. Praktiken – Governance – Netzwerke.“ im transcript-Verlag.

Was ist Kultur? Je nach Perspektive und Kontext antworten Menschen sehr unterschiedlich auf diese Frage. Die inflationäre Verwendung des Begriffs im Alltag sowie in politischen und wissenschaftlichen Debatten führen mitunter zu seiner vollständigen inhaltlichen Entleerung. Michael Flohr widmet sich in seiner Dissertation dem Politikfeld, das die Kultur im Namen trägt, und wählt das selbsternannte „Kulturland Thüringen“ als Fallbeispiel, um sich der Kultur zuzuwenden, die der Staat zu rahmen, zu organisieren und zu fördern versucht. Knapp antwortend auf die Eingangsfrage: Aus kulturpolitischer Perspektive wird Kultur größtenteils einfach synonym für Kunst genutzt.

Seine Monografie macht deutlich: Kaum ein Politikfeld ist so heterogen zusammengesetzt, normativ aufgeladen und von symbolischen Handlungen geprägt wie die Kulturpolitik. Zugleich liegen über die Funktionsweise dieses Feldes bislang nur vereinzelte politikwissenschaftliche Studien vor; im Wettstreit um politische, wissenschaftliche und öffentliche Aufmerksamkeit besetzt es nach wie vor eine Nische. Einführend schildert der Autor, welche kulturpolitischen Verständnisse sich im östlichen und westlichen Teil Deutschlands über die Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges herausgebildet haben, und eröffnet im Hauptteil einen detaillierten Einblick in die kulturpolitische Praxis Thüringens. Der Schwerpunkte der Untersuchung liegt auf den Handlungsfeldern, Praktiken, Governance-Formen und Netzwerken kulturpolitischer Akteure. Seine Erhebungen eröffnen durch die methodische Kombination von Netzwerkanalyse und Experteninterviews eine völlig neue Perspektive auf die Kulturpolitik in Thüringen.

Flohrs Analyse zeigt: Kulturpolitik befindet sich in einer systemimmanenten Sinn- und Strukturkrise. Die Konzentration von Macht, Einfluss und Fördergeldern, die sich zugleich als örtliche Konzentration im kulturpolitischen Dreh- und Angelpunkt Erfurt-Weimar zeigt, und eine tradierte Neigung zur Bestandswahrung prägen entscheidend das Politikfeld. Die Akteure bewegen sich, so der Autor, in einer veränderungshemmenden „Tretmühle der Kulturpolitik“.

Die Lektüre dieses praxisnahen Buches lohnt sowohl für Wissenschaftler und Studierende als auch für Praktiker, ehrenamtlich Engagierte und Kultur- und Kunstinteressierte. Weitere Informationen und eine Leseprobe finden Sie unter: www.transcript-verlag.de/978-3-8376-4255-1/kulturpolitik-in-thueringen.

Cover: Michael Flohr, Kulturpolitik

Michael Flohr
Kulturpolitik in Thüringen. Praktiken – Governance – Netzwerke.
Bielefeld: transcript Verlag, 2018
ISBN: 978-3-8376-4255-1
398 Seiten
29,99 EUR