van Henten

Willkommen, welcome, welkom: Prof. Dr. Jan Willem van Henten ist neuer Fellow am Max-Weber-Kolleg

Jan Willem van Henten ist Professor für Religion an der Universität Amsterdam und Außerordentlicher Professor für das Alte und Neue Testament an der Universität im südafrikanischen Stellenbosch. Nach seinem Theologie- und Geschichtsstudium an der Universität Leiden konzentrierte er sich in seiner Dissertation auf das Mätyrertum, die Entwicklung der jüdischen Identität und die sogenannten Makkabäer – eine Gruppe jüdischer Aufständiger, die erfolgreich gegen das Verbot ihres Glaubens und ihrer Glaubensausübung durch den seleukidischen König Antiochus IV. Epiphanes kämpfte. Seither forscht van Henten zu jüdischen Märtyrern und fragt in seinen Untersuchungen nach deren Motivation sowie nach der religiösen und politischen Seite ihrer Selbstopferung. Gerade ist Professor van Henten zu Gast am Research Centre „Dynamik ritueller Praktiken im Judentum in pluralistischen Kontexten von der Antike bis zur Gegenwart“ des Max-Weber-Kollegs der Universität Erfurt und tauscht sich als Fellow mit den hiesigen Fachkollegen aus. Eine gute Gelegenheit, ihn einmal kurz vorzustellen:

Herr Professor van Henten, einmal ganz einfach gesagt: Wie würden Sie einem Kind Ihr jetziges Forschungsprojekt erklären?
Ich forsche über Helden, die für eine bestimmte Sache sterben und die dann dafür in Erinnerung gehalten werden, wie zum Beispiel Jeanne D’Arc oder Jesus von Nazareth.

Gibt es ein Erlebnis in ihrem Leben, das Sie in Ihrer Forschung geprägt hat?
2000/2001 lebte ich in Jerusalem während ich an einer Quelle über den „Noblen Tod” und das Märtyrertum in der Antike arbeitete. Es war das Jahr, in dem die Zweite Intifada begann. Nachmittags arbeitete ich meistens in der Nationalbibliothek, die Teil des Givat Ram Campus der Hebräischen Universität ist. Jedes Mal, wenn ich den Lesesaal der Judaica betrat, erblickte ich das atemberaubende Glasmalerei-Bild von Marc Chagall, das die bekannte Vision des Propheten Jesaja zeigt („Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen.“ Jesaja 2). Auf dem Heimweg in Richtung Ramallah sah ich auf der Rückseite palästinensischer Minibusse Slogans, die sich auf das Märtyrertum bezogen. Auch in den Medien war das Thema allgegenwärtig. Ich las Interviews in der Zeitung mit der Mutter eines Palästinensers, der sein Leben geopfert hat, und konnte nicht anders, als sie mit den Müttern makkabäischer Märtyrer zu vergleichen, über die ich gerade schrieb. Mir wurden die Mehrdeutigkeiten des Märtyrertums bewusst und die Tatsache, dass Märtyrer genauso glorifiziert wie auch angezweifelt werden.

Welches jüdische Ritual fasziniert Sie am meisten?
Das Lesen der Tora und der Propheten während des Sabbat-Gottesdienstes fasziniert mich.

Kurz und knackig: Ihr Forscheralltag in drei Worten?
Texte werden lebendig.

Mal in die Zukunft gesponnen: Welche Fragestellungen könnten die Ritualforschung in zehn Jahren beschäftigen?
Rituale wandeln sich ständig, neue Rituale entwickeln sich – sogar für Menschen, die sich von Ritualen eher fernhalten wie etwa die Calvinisten oder kabbalistischen Juden. Die Erforschung des Märtyrertums könnte von Ritualstudien stark profitieren.

Vom Angelurlaub bis zur Zahnseide: Was ist Ihr persönlich „heiligstes“ Ritual?
Ich starte jeden Morgen mit ein paar sportlichen Übungen in den Tag und bin ganz unglücklich, wenn ich sie mal auslassen muss.

VIP: Welcher jüdische Gelehrte hat Sie im Leben geprägt und warum?
Das ist der Rabbiner und Religionsphilosoph Abraham J. Heschel mit seinem Aufruf an die Menschen, sich wie Gottes Partner zu verhalten.

Ein abschließendes Wort: Ohne Rituale wäre die Welt…
… verloren – und auch langweilig, denn Rituale machen häufig Spaß.

 

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