Prof. Dr. Walter Bauer-Wabnegg

Nachgefragt: „Welche Rolle spielen Lehraufträge an der Universität Erfurt, Herr Prof. Dr. Bauer-Wabnegg?“

Nicht nur an den Hochschulen, auch in den Medien wird immer wieder die „prekäre“ Situation von Lehrbeauftragten kritisiert. Die Rede ist von Unterbezahlung, befristeten Verträgen und mangelndem Status an den Hochschulen. „WortMelder“ hat beim Präsidenten der Universität Erfurt nachgefragt: „Welche Rolle spielen Lehraufträge an der Universität Erfurt und ist die Situation der Lehrbeauftragten tatsächlich so prekär, wie behauptet, Herr Prof. Dr. Bauer-Wabnegg?“

„Immer wieder hören wir, dass die Situation der Lehrbeauftragten prekär und grundsätzlich nicht in Ordnung sei. Meist geht es um Unterbezahlung und befristete Verträge. Dazu ist einiges zu sagen, vor allem aber auch klarzustellen. Grundsätzlich können laut Thüringer Hochschulgesetz Lehraufträge zur Ergänzung des Lehrangebots erteilt werden. In der künstlerischen Ausbildung können sie in bestimmten sehr kleinen Fächern auch den Kern eines Lehrangebots abbilden. Dabei werden Lehrbeauftragte für eine bestimmte Zeit, in der Regel ein Semester bestellt. Sie stehen dabei in einem öffentlich-rechtlichen Verhältnis eigener Art zum Land. Und: Der Lehrauftrag ist zu vergüten. Die Höhe der Vergütung legt das zuständige Ministerium durch Verwaltungsvorschrift fest.

Aus all dem ist bereits zu erkennen, dass der Lehrauftrag nicht als ‚Brotberuf‘ gemeint ist. Für gewöhnlich wird er zusätzlich zu einer hauptberuflichen Tätigkeit, oft in praxisbezogener Ergänzung des Lehrangebots durchgeführt. Das ist der Normalfall. Hinsichtlich der Vergütung hat die Universität Erfurt schon zu Beginn des jetzigen Präsidiums die Stundensätze im thüringenweiten Vergleich ganz nach oben korrigiert. Dennoch sind manche Lehrbeauftragten mit ihrer Situation nicht zufrieden, wenn sie auch aus der Häufung von Lehraufträgen keine dauerhaft sichere Existenz aufbauen können. Dafür ist ein Lehrauftrag aber auch nicht eingerichtet. Dass es in einigen Fächern gleichwohl zu einer solchen Häufung und vor allem andauernden Durchführung von Lehraufträgen durch immer gleiche Lehrbeauftragte kommt, hat zum Teil mit individuellen Lebensläufen, zum Teil aber auch mit der eingeschränkten finanziellen und personellen Situation der Hochschulen zu tun.

Zur Erfüllung der vom Land gesetzten Ziele hinsichtlich Fächerbreite und Studierendenzahlen fehlen schlicht die Stellen in den vom Land gesetzten Strukturplänen und auch die finanzielle Ausstattung zur Einrichtung weiterer unbefristeter Dauerstellen. In diesen Fällen sind Lehraufträge oft die letzte Rettung, um bestimmte gesetzte Ziele erreichen zu können. Und natürlich helfen Lehraufträge auch immer wieder beim Überbrücken bis zur Besetzung einer Stelle. Die Gründe zur Ausreichung von Lehraufträgen sind also vielfältig, gelegentlich der Finanznot hinsichtlich der Einrichtung von Vollzeitstellen geschuldet, im Normalfall aber zur Ergänzung des Lehrangebots gedacht. Diese hilfreiche Ergänzung ist auch an der Universität Erfurt der Normalfall. Aus dieser Gruppe der Lehrbeauftragten kommen auch keine Klagen hinsichtlich Vergütung und anderem, denn hier erfolgt der Lehrauftrag stets nebenberuflich in Ergänzung der sonstigen beruflichen Haupttätigkeit. Dort, wo es klemmt, kann die Hochschule nicht allein handeln. Hier ist auch das Land gefragt, die Ziel- und Leistungsstellung zusammen mit den Hochschulen anzupassen, also entweder die Leistungsziele quantitativ zu verringern oder die finanzielle und personelle Situation soweit anzuheben, wie der politische Wunsch nach entfristeten Dauerstellen besteht. Lehraufträge bilden eine wichtige Ergänzung des Lehrangebots und die uns tätigen Lehrbeauftragten bieten hervorragende Lehre an. Wir sind ihnen also dankbar und sie sind Teil unseres gesamten Kollegiums. Deswegen haben wir die Honorare ja auch deutlich erhöht. Wenn das Land uns die Möglichkeiten gibt, sind wir offen für alle weiteren Verbesserungen.“