Dr. Katharina Held

„ProForschung20“: Uni Erfurt legt neues Forschungsförderprogramm auf

Das Präsidium der Universität Erfurt hat nach vielfältigen Rückrunden im Haus aktuell ein neues Programm zur internen Forschungs- und Nachwuchsförderung bis 2020 vorgelegt. „WortMelder“ sprach mit Dr. Katharina Held, Leiterin des Stabsbereichs ProUni – Forschung und Nachwuchsförderung über die Neuerungen…

Frau Dr. Held, warum war das neue Programm überhaupt erforderlich?
Anlass für das neue Programm waren mehrere, gewichtige Gründe: Zunächst ist im Verlauf der vergangenen Jahre immer deutlicher geworden, dass ein gewisses Portfolio an universitätsinternen Anreizsystemen und Unterstützungen nötig und wichtig ist, um unsere Wissenschaftler/innen in dem inzwischen so harten Kampf um Drittmittel besser zu unterstützen. Es ist einfach leichter, einen Antrag auf den Weg zu bringen, wenn man neben Hilfen wie dem Antragscoaching auch direkt Mittel zur Verfügung gestellt bekommt, um antragsvorbereitende oder -begleitende Maßnahmen finanzieren zu können. Dazu gehören – gerade in der Verbundforschung, die für die Uni Erfurt ein wichtiges Thema ist – z.B. Workshops mit Mitantragsteller/innen, Vernetzungstreffen, Einladungen von Kooperationspartnern oder die Unterstützung durch Hilfskräfte. Wichtig ist universitätsinterne Förderung aber auch da, wo andere Geldgeber keine oder keine ausreichenden Mittel zur Verfügung stellen: z.B. in der Initiierungsphase von Projekten, in der sich Gruppen häufig erst finden, in der Veranstaltungsförderung oder für Reisekosten. Solche Aktivitäten sind unverzichtbar, damit Wissenschaft lebt und gelebt werden kann, damit Forschung vermittelt und weiterentwickelt wird und damit man den Boden für  erfolgreiche Forschungsvorhaben bereiten kann. Insofern gab es eine ganz klare intrinsische Motivation, die verschiedenen Modelle zu ordnen, zu formieren und weiterzuentwickeln bzw. zu ergänzen. Abgesehen davon haben wir uns in unseren mit dem Land Thüringen geschlossenen Ziel- und Leistungsvereinbarungen aus gutem Grund aber auch selbst verpflichtet, unsere hochschulinternen Anreizsysteme im Zusammenhang mit der Weiterentwicklung der universitären Schwerpunkte zu verstärken und geeignete Maßnahmen in einem Forschungsförderfonds zusammenzustellen. Das zu tun und damit bestimmte Profilbereiche und Strukturen zu unterstützen, ist aber auch im Hinblick auf unseren Antrag auf Aufnahme in die Deutsche Forschungsgemeinschaft wichtig.

Was ist der Kern des Programms, was ist neu?
Im Kern besteht es aus drei Fördermodulen: Das erste stellt Mittel für die neu umrissenen Schwerpunktareale der Universität bereit, die auch die bisherigen Schwerpunkte integrieren und die auf Basis einer Bestandsaufnahme all unserer Forschungsaktivitäten entstanden ist. Die Themenfelder beziehen sich dabei auf drittmittelfinanzierte Verbünde und Gruppen und auf unser neu geordnetes Forschungsstrukturprofil: also auf universitätsinterne Forschungsgruppen, Forschungsstellen und EPPP-zertifizierte Nachwuchskollegs. Das zweite Modul besteht aus der Förderung von Einzelvorhaben sowie Freistellungen in der Lehre, um Antragsvorbereitungen zu unterstützen, sowie aus der Co-Finanzierung von wissenschaftlichen Veranstaltungen. Ein drittes, großes Modul gilt der Nachwuchsförderung und damit all unseren jungen Wissenschaftler/innen: Zur Verfügung gestellt werden verschiedene Arten von Stipendien für die Zeit von der Promotionsvorbereitung bis hin zur Initiierung von eigenen Drittmittelprojekten – und außerdem Mittel für die Netzwerkbildung, für die Ausrichtung von Veranstaltungen und für die Etablierung in der Wissenschaft. Neu daran ist eigentlich fast alles, weil wir ein so systematisches, breites Förderprogramm bislang nicht hatten. Zentral ist sicher, dass die Schwerpunktareale durch Qualifikationsstellen sowie Stellen für die Koordination von Verbundvorhaben gefördert werden, die über eine leistungsindizierte Vergabe für die nächsten Jahre zur Verfügung stehen werden. Damit wollen wir Verbundbildung stärken und zugleich für uns neue, zeitgemäße Wege gehen: Unsere Wissenschaftler/innen sollen noch bessere Möglichkeiten haben, qualifizierten Nachwuchs zu gewinnen bzw. zu halten und der Nachwuchs selbst soll eine stabilere Basis für die wissenschaftliche Arbeit erhalten. Außerdem unterstützen wir die universitätsinterne Gruppenbildung explizit – entweder, um gemeinsam Forschungsprojekte zu entwickeln oder um Nachwuchsförderung zu betreiben. Damit neben den Gruppen bzw. der Gruppenbildung in den Schwerpunktarealen aber auch diejenigen nicht unberücksichtigt bleiben, die eigene Projekte verfolgen, haben wir die Maßnahmen in der Einzelforschungsförderung erweitert: Zum Beispiel gab es früher für den Anschub eines Drittmittelprojektes keine Finanzierung für die Freistellung von der Lehre. Und nicht zuletzt haben wir unser Stipendienportfolio neu geordnet und erweitert. Neu geordnet in dem Sinne, dass neben der Förderung der Individualpromotion für die nächsten Jahre insbesondere Stipendien für Vorhaben ausgereicht werden, die in den EPPP-Nachwuchskollegs durchgeführt werden. Neu ist außerdem, dass wir die Promotionsvorbereitung durch Predoc-Stipendien unterstützen wollen und hoffen, auch auf diesem Weg noch mehr qualifizierten Nachwuchs an der Uni zu halten bzw. hierher holen zu können. Um unsere Promotions- und Habilitationsquote zu erhöhen, gibt es zusätzlich zu den Abschlussstipendien seit dem Frühjahr 2017 auch sogenannte Brückenstipendien. Und auch der neue Zuschnitt der Initialisierungsstipendien, die nunmehr ein hervorragender Ersatz für die Post-Doc-Stipendien sind, die sich ja nicht wirklich bewährt haben, sollen uns dem Ziel näherbringen. Neu und wichtig ist aber auch, dass junge Wissenschaftler/innen, also Promovierende oder Postdocs, selbst oder als Netzwerke Fördermittel beantragen können.

Wie ist das Programm entstanden, wer hat mitgewirkt?
Das waren eine ganze Menge. Auf Initiative des Präsidiums gab es dazu viele Gespräche und Austauschrunden zwischen der Hochschulleitung, dem Senat und dem Hochschulrat, aber auch mit den Dekanen, den Leitern der wissenschaftlichen Einrichtungen, den Sprechern von Nachwuchskollegs und Verbundprojekten, die eine tragende Rolle gespielt haben. Aber natürlich haben wir auch die Nachwuchswissenschaftler/innen selbst einbezogen, die Wünsche und Notwendigkeiten an den Stabsbereich herangetragen haben. Beteiligt waren außerdem die Vergabekommission, der Ausschuss für Forschung und Nachwuchsförderung, und die Kolleginnen aus dem Stabsbereich selbst sowie aus dem Gleichstellungstellungsbüro. Auf diese Weise konnten wir schließlich ein erfolgversprechendes Programm entwickeln – wenngleich nicht jeder Anregung Rechnung getragen werden konnte. Die Mittel sind (leider) endlich und die Möglichkeiten ebenso. Aber ich denke, dass mit dem Programm nun einiges möglich ist. Wir werden es 2020 evaluieren und schauen, wie erfolgreich wir damit waren.

Wohin sollen die neuen Förderformate bzw. -instrumente die Uni Erfurt mittelfristig führen?
Das Programm soll dabei helfen, dass sich noch festere interdisziplinäre und fakultätsübergreifende Verbünde formieren, die gemeinsam Projekte verfolgen, die wiederum unsere Schwerpunktareale klarer umreißen. Wir hoffen also , dass die neuen Fördermöglichkeiten künftig noch stärker zur disziplinübergreifenden Zusammenarbeit an unserer Universität motivieren. Weiterhin wollen wir noch mehr qualifizierten Nachwuchs gewinnen und diesen gezielt dabei unterstützen, sich ohne große Nebenbelastung der wissenschaftlichen Arbeit bzw. der wissenschaftlichen Karriere widmen zu können. Nicht zuletzt soll das Programm dazu beitragen, dass manches Projekt, das es bisher aufgrund fehlender Fördermöglichkeiten nicht gab, nun doch verwirklicht werden kann. Schön wäre es, wenn unsere Wissenschaftler/innen spüren, dass ihre Universität hinter ihnen steht und sie bei ihren Unternehmungen substanziell unterstützen möchte – ideell, aber eben auch monetär – und dass die Freude am gemeinsamen Tun steigt.

Wo kann man sich über Details zum neuen Förderprogramm informieren?
Unsere Webseite gibt  erste Auskunft über alle Module und Maßnahmen sowie die damit verbundenen Verfahren und Fristen. Das Team vom Stabsbereich Forschung und Nachwuchsförderung steht aber darüber hinaus auch jederzeit gern für Rückfragen zur Verfügung.