Die Kleine Synagoge in Erfurt.

Vortrag: „Schofarhörner und ein mittelalterlicher Skandal in Erfurt“

Um das Jahr 1420 entdeckte die jüdische Gemeinde Erfurts, dass die Schofarhörner, die in einem Ritual am jüdischen Neujahrsfest geblasen werden, unbrauchbar waren. Eine Erfurter Werkstatt von Christen hatte in Zusammenarbeit mit Juden jahrzehntelang Schofarhörner für die Juden des gesamten Reichsgebietes hergestellt und nun waren diese Hörner plötzlich nicht mehr für das nahende Fest verwendbar. Wie sollte man mit diesem Umstand umgehen? Wer sollte zur Verantwortung gezogen werden?

Ein Vortrag von Dr. Andreas Lehnertz, der im März 2020 Fellow am Research Centre „Dynamics of Jewish Ritual Practices in Pluralistic Contexts from Antiquity to the Present“ der Universität Erfurt ist, wird den historischen Hintergründen dieses Skandals nachforschen, wichtige Details der Schofarproduktion erläutern und die ökonomischen Motivationen der beteiligen Personen hinterfragen, gilt der Erfurter Schofarskandal doch als Testfall für die jüdisch-christlichen Beziehungen in der spätmittelalterlichen Stadt und als ein Zeugnis für die rege jüdische Handwerkstätigkeit in Thüringen. Der Vortrag findet am Donnerstag, 12. März, in Kooperation mit dem Verein für die Geschichte und Altertumskunde von Erfurt statt und wird von Prof. Karl Heinemeyer moderiert. Beginn ist um 19 Uhr in der Kleinen Synagoge statt, Einlass ab 18.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Andreas Lehnertz ist Postdoc-Forschungsstipendiat mit dem Schwerpunkt Sozial-, Kultur-, Wirtschafts- und Religionsgeschichte im Europa des Mittelalters an der Hebräischen Universität Jerusalem. Im Jahr 2018 schloss er seine Promotion an der Universität Trier mit einer Studie über „Judensiegel im spätmittelalterlichen Reichsgebiet“ ab und forscht derzeit zu jüdischen (und christlichen) Handwerkern im mittelalterlichen Europa.

Weitere Informationen / Kontakt:
PD Dr. Claudia Bergmann
E-Mail: claudia.bergmann@uni-erfurt.de