Vera Kallenberg

Arno-Lustiger-Förderpreis für Vera Kallenberg

Für ihre Dissertation unter dem Titel „Jüdinnen und Juden in der Frankfurter Strafjustiz 1780–1814: Die Nicht-Einheit der jüdischen Geschichte“ ist Dr. Vera Kallenberg, Postdoktorandin an Universität Erfurt, mit dem mit 3000 Euro dotierten Arno-Lustiger-Förderpreis 2019 ausgezeichnet worden.

Die Preise werden von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft für herausragende Arbeiten zur Geschichte der jüdischen Bürger Frankfurts vergeben. Mit der Verleihung soll die Bedeutung der Frankfurter jüdischen Geschichte und Kultur sowie ihrer Erforschung innerhalb der Jüdischen Studien unterstrichen werden. Denn bereits in Mittelalter und Früher Neuzeit war Frankfurt eines der bedeutendsten Zentren jüdischen Lebens in Europa. Jüdinnen und Juden spielten auch eine zentrale Rolle in der modernen Entwicklung der Stadt Frankfurt. Der Arno-Lustiger-Förderpreis soll die Erinnerung an eine Frankfurter Persönlichkeit wachhalten, die sich um das Wiederentstehen jüdischen Lebens nach 1945 wie auch die Erforschung der deutsch-jüdischen Geschichte sehr verdient gemacht hat.

Vera Kallenberg hat in ihrer nun ausgezeichneten Dissertation einen Epochenumbruch anhand von 400 Strafgerichtsfällen untersucht. Sie eröffnet so einen interdisziplinären Zugang zum Übergang zwischen dem Ende der Frühen Neuzeit und der Moderne. In diesem Kontext überprüft die Historikerin die vielschichtige Realität jüdischer Emanzipation, indem sie geschlechter-, sozial-und rechtsgeschichtliche Aspekte miteinander in Beziehung setzt. „Damit liefert sie einen besonders innovativen Beitrag zur differenzierteren Betrachtung der Judenfeindlichkeit nach der Aufklärung“, begründet die Jury ihre Entscheidung und erklärt weiter: „Die herangezogenen Quellen wurden mit diesem Ansatz bisher noch nicht untersucht. Die Arbeit verspricht, für diesen Untersuchungszeitraum einschlägig zu werden.“

Vera Kallenberg forscht und lehrt an der Professur für Nordamerikanische Geschichte der Universität Erfurt zur US-amerikanischen Geschlechtergeschichte. Sie arbeitet aktuell an der ersten wissenschaftlichen Biografie Gerda Lerners (1920-2013), einer amerikanische feministischen Historikerin österreich-jüdischer Herkunft und einer der Begründerinnen der Women’s history als akademische Forschungsdisziplin.

Vera Kallenberg
Jüdinnen und Juden in der Frankfurter Strafjustiz 1780-1814.
Die Nicht-Einheit der jüdischen Geschichte

(Reihe: Hamburger Beiträge zur Geschichte der deutschen Juden)
Wallstein-Verlag, 2018
ISBN: 978-3-8353-3086-3
464 Seiten
54 EUR

(Foto: Stiftung Polytechnische Gesellschaft / Dominik Buschardt)