Klavier

Workshop: „Künstlerischer Ausdruck als anthropologische Kategorie?“

Das Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt lädt am Donnerstag, 28. November, zu einem Workshop unter dem Titel „Künstlerischer Ausdruck als anthropologische Kategorie?“ ein. In diesem Rahmen findet auch ein Gesprächskonzert mit Prof. Dr. Jascha Nemtsov (Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar/Universität Potsdam) statt, das „den anderen Schönberg“ beleuchten soll. Beginn des Workshops ist um 10 Uhr in den Räumen des Priesterseminars Erfurt, Holzheienstraße 14, das Gesprächskonzert startet dort um 13 Uhr. Der Eintritt ist frei, um Anmeldung bei Jasmin Kutzner wird jedoch gebeten.

Der Name „Schönberg“ ist in der Musik eine fest etablierte Größe. Sogar jene, die nie die Musik von Arnold Schönberg hören konnten, verbinden diesen Namen mit neuen Tönen, die die Musikgeschichte im 20. Jahrhundert entscheidend prägten. Ganz anders ist es um den Komponisten Jakob Schönberg bestellt, der heutzutage kaum noch bekannt ist. Dennoch ist Jakob Schönbergs Verdienst auf verschiedenen musikalischen Gebieten beachtlich. Als Erster untersucht er die Musik des jüdischen Gottesdienstes in Deutschland. In den 1930er-Jahren befasste er sich zudem als erster Musikwissenschaftler systematisch mit der neuen jüdischen Musikfolklore in Palästina. Als Komponist leistete Jakob Schönberg in Deutschland den bedeutendsten Beitrag auf dem Weg zu einem selbstständigen jüdisch-nationalen Stil in der modernen Musik. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten verlor Jakob Schönberg seine Stellung und emigrierte 1939 nach England, sein Werk in Deutschland geriet in Vergessenheit. Prof. Jascha Nemtsov möchte das ändern.

Bei dem Gesprächskonzert im Rahmen des Workshops werden von Jakob Schönberg komponierte Töne erklingen. Prof. Nemtsov wird zudem aus Schönbergs Lebensgeschichte erzählen, sein Werk in die Musikwissenschaft einordnen und seinen musikalischen Ausdruck im Kontext der vom Workshop behandelten Fragen erläutern.

Der Workshop fragt unter anderem: Worin besteht der Ausdrucksgehalt eines Kunstwerkes? Welche Faktoren und Erwartungshaltungen bedingen seine Wahrnehmung und ästhetische Einordnung? Ist künstlerischer Ausdruck als sinnliche Erfahrung künstlerischen Wirkens überhaupt zu kategorisieren und aus anthropologischer Sicht zu erschließen? Inwieweit übt das Verhältnis von Künstler, Interpret und Rezipient sowie von Ausdruck, Sinn und Substanz Einfluss auf die künstlerische Ausdruckskraft aus? Der Workshop wird von Jascha Nemtsov und Jasmin Kutzner vom Research Centre „Dynamik ritueller Praktiken im Judentum in pluralistischen Kontexten von der Antike bis zur Gegenwart“ am Max-Weber-Kolleg organisiert. Die Eröffnung der interdisziplinär ausgerichteten Veranstaltung liegt in den Händen von Prof. Dr. Andreas Dorschel (Universität für Musik und Darstellende Kunst Graz), der in seinem Beitrag der Frage nach der Plausibilität einer Anthropologie des musikalischen Ausdruckes nachgehen wird.

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