Nachwuchswissenschaftler im Gespräch

Summer School „Naturschönheiten“ in Gotha

Die im Sammlungs- und Forschungsverbund Gotha zusammengeschlossenen Institutionen – Forschungsbibliothek und Forschungszentrum Gotha der Universität Erfurt sowie die Stiftung Schloss Friedenstein Gotha – laden in diesem Jahr erstmals fortgeschrittene Studierende, Promovierende und Postdoktoranden dazu ein, die hochrangigen Gothaer Sammlungen im Rahmen einer Sommerschule kennenzulernen und an ihrem Beispiel aktuelle Fragen der sammlungsbezogenen Forschung zu diskutieren.

Die Veranstaltung, die vom 09. bis 13. September in Gotha stattfindet, steht unter dem Titel „Naturschönheiten – Natur darstellen und ausstellen“. Sie ist Teil des diesjährigen Themenschwerpunkts „Naturschönheiten. Verbindungen von Kunst und Natur“. Am 12. September findet darin ein öffentlicher Abendvortrag von Mariana de Campos Francozo (Leiden) zum Thema „Collecting Dutch Brazil: knowledge-production in an intercultural colonial context“ statt. Alle Interessierten sind dazu in den Vortragssaal des Forschungszentrums am Schloßberg 2 herzlich eingeladen.  

Der Wissenschaftsstandort Gotha bietet mit seinen reichen archivalischen, bibliothekarischen und musealen Beständen ein einzigartiges Forschungsumfeld für die historischen Kulturwissenschaften. Verbindungen von Kunst und Natur prägen die Gothaer Sammlungen seit ihrer Entstehung. Wie alle frühneuzeitlichen Kunst- und Wunderkammern beinhaltete auch die um 1650 eingerichtete Gothaer Kunstkammer zahlreiche Objekte, in denen sich die Bewunderung, Kenntnis und Beherrschung der Natur widerspiegelte. Seit dem 18. Jahrhundert wurden eigenständige Naturaliensammlungen angelegt; zugleich förderte das Gothaer Herzogshaus gezielt die gelehrte Beschäftigung mit der Natur. Das vertiefte Verständnis natürlicher Phänomene ging dabei stets mit ihrer Ästhetisierung einher. Nautilusgehäuse wurden kunstvoll graviert, gepresste Pflanzen wurden sorgfältig arrangiert, farbige Steine wurden geschnitten und poliert, Erd- und Himmelskarten wurden ansprechend illustriert. In jedes einzelne dieser Objekte war und ist die menschliche Aneignung von Natur eingeschrieben. Insofern bieten die Gothaer Sammlungen nicht nur einen reichen Fundus, um Verbindungen von Kunst und Natur zu historisieren, sondern sie erlauben es auch, das existentielle Verhältnis der Menschen zu der sie umgebenden Natur in seiner Bedeutung für die Gegenwart zu reflektieren.

Die Sommerschule lädt nun dazu ein, die hochrangigen Gothaer Sammlungen kennenzulernen und an ihrem Beispiel aktuelle Fragen der sammlungsbezogenen Forschung zu diskutieren. Zugleich führt die Veranstaltung die Teilnehmer an Themen und Methoden der neuzeitlichen Wissens- und Kulturgeschichte sowie an die Arbeitsgebiete sammlungshaltender Institutionen heran. In Praxiseinheiten arbeiten sie unter Anleitung der wissenschaftlichen Sammlungsbetreuer mit ausgewählten Beständen der reichhaltigen Gothaer Sammlungen. Selbständig erschließen die Teilnehmer dabei ein sammlungsbezogenes Thema, das sie am letzten Tag der Summer School in einer Projektpräsentation vorstellen.