Uni Erfurt und FSU Jena stärken gemeinsame Lehrerausbildung in Inklusionsfragen

Inklusion im Unterricht als Querschnittsaufgabe verstehen und umsetzen – dieses Ziel verfolgt ein Kooperationsprojekt zwischen der Universität Erfurt und der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Das Projekt „Curricula der Zukunft – Digitale Lehre für eine heterogenitätssensible Lehrer*innenbildung“ fördert die hochschulübergreifende Zusammenarbeit in der Lehrerausbildung sowie den fachlichen Austausch zwischen Pädagogikstudierenden an beiden Hochschulstandorten. Mit der Vorlesung „Pädagogik in inklusiven Prozessen“ von Prof. Dr. Susanne Jurkowski wurde im Sommersemester 2019 nun erstmals eine an der Universität Erfurt angebotene Lehrveranstaltungen auch für Lehramtsstudierende aus Jena geöffnet.

„Ich bin in meiner Forschung sehr inter- und multidisziplinär orientiert“, erklärt Susanne Jurkowski, Professorin für inklusive Bildungsprozesse an der Universität Erfurt. „Da finde ich es nur konsequent, dass auch meine Lehrveranstaltungen interdisziplinär gestaltet sein sollten.“ Ihre Vorlesung „Pädagogik in inklusiven Prozessen“ wurde im Sommersemester nicht nur von Erfurter Studierenden der Förderpädagogik besucht, sondern ebenso Gymnasiallehrämtlern aus Jena. „Ich betrachte es als große Herausforderung, dass man über die andere Profession – also andere pädagogische Disziplinen – teilweise gar nicht so viel weiß“, beklagt die Lehrerbildnerin. „Da stehen als Resultat dann später Lehrkräfte in ihrem Unterricht und fragen sich: ‚Und was mache ich nun mit dem Förderpädagogen? Was kann der eigentlich? Worin kann er mich unterstützen?‘ Genau das lernt man am besten schon im Studium“, erläutert sie die Idee hinter der Kooperation.

Einer, der genau das lernen wollte, ist Toni Scheffler. Er studiert Gymnasiallehramt in Jena und nahm gern regelmäßig den Weg nach Erfurt auf sich, um bei Prof. Jurkowski Einblicke in die Inklusionsforschung zu erhalten: „Das Thema Inklusion bekommt zunehmend Bedeutung im schulischen Alltag“, betont er. „Deshalb sind alltagsbezogene Themen und Seminare für mich von großem Interesse.“ Auch wollte Scheffler sich damit auf „spezielle Herausforderungen im späteren Berufsalltag vorbereiten“, berichtet der angehende Lehrer weiter. Entsprechend positiv resümiert er, wie „äußerst praxis- und fallorientiert“ in der Lehrveranstaltung gearbeitet worden sei. Eben dieser Wunsch, Inklusion aktiv gestalten und in den eigenen Unterricht einbinden zu können, wurde auch für Prof. Jurkowski deutlich sichtbar: „Das waren hochmotivierte junge Köpfe“, beschreibt sie die Gäste aus Jena. „Sie kamen nach den Vorlesungen mit sehr praxisorientierten Fragen auf mich zu. Da spürte man auch den hohen Praxisdruck, dem sie als künftige Lehrerinnen und Lehrer ausgesetzt sind.“

Durch das hochschulübergreifende Angebot erhoffen sich die Universitäten Erfurt und Jena einen fachlichen Austausch sowie eine Ergänzung innerhalb der verschiedenen Fachbereiche der Lehrerbildung. Dr. Andrea Schmerbauch, Mitarbeiterin an der Erfurt School of Education und Koordinatorin des Projektes „Curricula der Zukunft“, das gefördert vom Thüringer Wissenschaftsministerium seit Oktober 2018 an den Universitäten Erfurt und Jena durchgeführt wird, unterstreicht: „Angehende Lehrerinnen und Lehrer, die in Thüringen studieren, sollen unter den aktuellen Voraussetzungen bestmöglich auf ihren bevorstehenden Berufsalltag vorbreitet werden. Und das lässt sich am besten umsetzen, wenn die lehrerbildenden Hochschulen kooperieren und ihre jeweiligen Kompetenzen bündeln.“ Mit der Vorlesung von Prof. Jurkowski sei im Sommersemester 2019 ein Modellversuch unternommen worden, der aufgrund der positiven Evaluation kein Einzelfall bleiben wird: „Eine Fortsetzung und ein Ausbau dieser Bestrebungen ist geplant. Prof. Jurkowski wird auch im nächsten Sommersemester ihre Vorlesung für interessierte Studierende der FSU öffnen. Darüber hinaus gibt es weitere Seminarangebote, bei denen Studierende beider Hochschulen aufeinandertreffen und sowohl kollaborativ als auch digital zusammenarbeiten“, sagt Schmerbauch.

Toni Scheffler betont außerdem, dass auch Verwaltungsvorgänge zwischen den Universitäten für die Studierenden bestens geregelt gewesen seien: „Die Notenverbuchung erfolgt unkompliziert und ohne das Zutun der Studierenden – ein rundum reibungsloser Ablauf im gesamten Prozess!“ Er könne das Angebot deshalb nur jedem Lehramtsstudierenden empfehlen, wie er abschließend unterstreicht: „Einerseits kommt durch eine derartige Kooperation Abwechslung in den studentischen Alltag, da man nicht nur neue Kommilitonen kennenlernt, sondern auch ‚herumkommt‘ und den jeweils anderen Studienort näher kennen- und lieben lernt. Andererseits bringt das Angebot einen gewissen Weitblick mit sich: Man hat nicht mehr ausschließlich seinen persönlichen Modulkatalog und (Muster-)Studienplan im Blick sondern lernt neue und erweitere Angebote kennen, die über die alltäglichen Studieninhalte hinausgehen und helfen, auch Anerkennung und Interesse für andere Studienrichtungen zu entwickeln.“  

Ansprechpartnerinnen
Prof. Dr. Susanne Jurkowski
Tel.: +49 (0) 361 737-2261
E-Mail: susanne.jurkowski@uni-erfurt.de

Dr. Andrea Schmerbauch
Erfurt School of Education
Tel.: +49 (0) 361/737-1754
E-Mail: andrea.schmerbauch@uni-erfurt.de

Weitere Informationen
Projekt „Curricula der Zukunft – Digitale Lehre für eine heterogenitätssensible Lehrer*innenbildung“: www.uni-erfurt.de/ese/kooperationen-und-projekte/curricula-der-zukunft