Augustinerkloster

Internationale Tagung: „Stadt und Religion“

Wie wichtig ist Religion für das Entstehen und Bestehen von Städten? Wie tragen Rituale dazu bei, dass aus Dörflern nun Städter werden? Diesen Fragen stellt sich eine internationale Konferenz, zu der die Forschungsgruppe „Religion und Urbanität“ am Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt vom 12. bis 14. Juni ins Augustinerkloster einlädt. Zu der Tagung, die in Kooperation mit der schottischen University of St. Andrews organisiert wird, werden Wissenschaftler aus ganz Europa und den USA erwartet, die unterschiedlichen Fragestellungen rund um das Thema „Religion und Urbanität“ anhand von Fallbeispielen und typischen Konstellationen aus dem Mittelmeerraum von der Späten Bronzezeit bis in die Spätantike nachgehen werden.

Ein Blick auf die Geschichte zeigt, dass Religion eine bedeutende Rolle bei der Entwicklung von Städten spielt – so beispielsweise bei der Gründung von Städten über Einwanderungswellen, tiefe Umbrüche sogar bis hin zu Völkermord. Religiöse Rituale dienten dabei der Stiftung von Gemeinsamkeiten aber auch der Schaffung von Rückzugsräumen für die Stadtbewohner. Umgekehrt hat das räumliche, soziale und politische Umfeld von Städten, ob klein oder groß, religiöse Ideen und Praktiken geprägt. Vorstellungen von „Göttern“ und verstorbenen „Ahnen“, vom Ort der Verehrung, von der Zugänglichkeit zu Göttern und deren Tempeln sowie die Vorstellungen über ihre Wirkweisen, aber auch, wie man sein eigenes Leben vor den Göttern lebt, wurden dabei nachhaltig beeinflusst. Das Erfurter Forschungsprojekt „Religion und Urbanität“ widmet sich der Untersuchung dieser wechselseitigen Beeinflussungen in historischen und zeitgenössischen Kontexten und bezieht die Ergebnisse auf das Zusammenleben in Städten.

Die Tagung im Augustinerkloster beschäftigt sich nun mit den Anfängen dieser Wechselbeziehung. Dafür ist der Mittelmeerraum im Übergang von der Bronze- zur Eisenzeit besonders spannend. Hier gab es starke Umgestaltungen der Umwelt, neue soziale und wirtschaftliche Beziehungen und Herrschaftsformen. Welche Bedeutung hatte Religion in solch einem kritischen Moment? Und wie wirkten sich Veränderungen auf nachfolgende Epochen aus? „Bislang wurde die zunehmende Gründung von Städten nur einseitig mit dem Verweis auf Handelsplätze und Transportwege erklärt. Aber gerade die Verbindung von archäologischer und religionsgeschichtlicher Forschung“, erklärt Dr. Asuman Lätzer-Lasar, die Organisatorin der Tagung, „verspricht neue Aufschlüsse darüber, wie eng die Entwicklungen von Religionen und die Entstehungen von Städten tatsächlich miteinander verflochten waren. Der Tagungsort in Erfurt mit seiner eigenen reichen Geschichte ist dafür sehr passend gewählt.“

Programmübersicht

Weitere Informationen / Kontakt
Dr. Asuman Lätzer-Lasar
E-Mail: asuman.laetzer-lasar@uni-erfurt.de