Prof. Dr. Patrick Rössler bei der Tagung im neuen Bauhaus-Museum Weimar.

Erste wissenschaftliche Tagung im neuen Bauhaus-Museum Weimar – die Uni Erfurt war dabei

Im neuen Bauhaus-Museum in Weimar fand am 2./3. Mai eine erste wissenchaftliche Tagung statt. In Kooperation mit der Klassik Stiftung Weimar, der Universität Jena und dem Weimarer Republik e.V. hatte Prof. Dr. Patrick Rössler, Kommunikationswissenschaftler an der Universität Erfurt, zum Austausch eingeladen. Ein Bericht von Alicia Franke…

Weimar, einst Wiege sowohl des Bauhauses als auch der ersten deutschen Republik, scheint als geschichtsträchtiger Ort wie geschaffen für eine historische Einbettung der Bauhausgeschichte. „Das Bauhaus ist heute ein Stück unseres Lebens“, so Prof. Dr. Michael Dreyer von der Friedrich-Schiller-Universität Jena – aber die öffentliche Begeisterung für das Bauhaus scheint nach 100 Jahren größer zu sein als bei seiner Einrichtung: Denn zum Jahrestag von Bauhausgründung und Weimarer Republik versammelten sich nun zahlreiche Forscher und Bauhaus-Experten aus ganz Deutschland im Museum in Weimar zum Symposium „Bauhaus & Weimar – Brennpunkt künstlerischer und demokratischer Aufbrüche“. Die Tagung war damit nicht nur die erste wissenschaftliche Veranstaltung im Tagungsraum des Bauhaus-Neubaus, sondern auch das aktuell einzige Ereignis im Jubiläumsjahr, das beide Jahrestage ausdrücklich zusammendenkt.

Insgesamt 14 Fachvorträge gaben Anlass, politische, gesellschaftliche, künstlerische, mediale und wirtschaftliche Aspekte der 20er-Jahre in ihrem Verhältnis zum Bauhaus zu diskutieren: Den Facettenreichtum von Walter Gropius‘ Vision einer Kulturerneuerung erläuterte Prof. Dr. Peter Bernhard von der Stiftung Bauhaus Dessau in seinem Vortrag. Er nannte das Bauhaus ein Avantgarde-Projekt, das sich auf der Höhe seiner Zeit bewegte und interdisziplinären Charakter besaß. Durch Protagonisten wie Oskar Schlemmer oder Paul Klee habe Gropius mit dem Bauhaus einen Ort geschaffen, der neue Sichtweisen mit künstlerischen Mitteln eröffnete.

Der Aufbruch spiegelte sich auch in den zeitgenössischen Geschlechterbildern wieder: Frauen erlangten das Wahlrecht – und auch sonst veränderte sich das Leben der Frau in der Weimarer Republik in vielerlei Hinsicht. Prof. Dr. Susanne Kinnebrock (Universität Augsburg) stellte die „neue Frau“ vor, die in ihrer Rolle ein frisches Selbstbewusstsein entdeckte. Mit dem Frauenwahlrecht nahmen auch die Wahlen in der Weimarer Republik neue Formen an. Viele Erstwähler und eine neue Art von Wahlkampf sorgten für „Tumult Charakter“, der bis zum Ende der Republik nicht abschwächte. Prof. Dr. Klaus Kamps (HdM Stuttgart) beleuchtete diese „Amerikanisierung“ der Wahlkämpfe, die nicht zuletzt durch den 1. Weltkrieg und das Feindbild geprägt war.

Schließlich fand auch die Fotografie als visuelles Element im Pressewesen ihren Platz in der modernen Gesellschaft. Lilja-Ruben Vowe von der Viadrina (Frankfurt/Oder) stellte in ihrem Vortrag die Radikalisierung der Fotografie ab Ende der 1920er-Jahre als „Waffe in der Presse“ dar – Ausdruck der politischen Spannungen in der Weimarer Republik. Die Frage, ob das Bauhaus selbst politisch gewesen sei, beantwortete Prof. Dr. Magdalena Droste eindeutig mit „Ja“ – unter Verweis auf institutionelle Abhängigkeiten und die Politisierung der Avantgarde ebenso wie der Lehrer- und Schülerschaft des Bauhauses. Die Brücke zwischen Staats- und Bauhausgründung betonte nicht zuletzt die Geburtstagsmappe für Walter Gropius von 1924, in der die Bauhausmeister das Foto von der Verkündung der Wahlergebnisse durch eine Radioübertragung künstlerisch variierten.

Auch wenn das Bauhaus gemeinsam mit der Weimarer Republik untergehen musste, so lebt es noch nach 100 Jahren als „Kind der Republik“ weiter, wie es Droste formulierte. Diese Lebendigkeit demonstrierte auch die Abendveranstaltung „Heut‘ Abend gehen wir ins Bauhaus“, eine multimediale Revue der 1920er-Jahre, die das Symposium komplettierte. Schauspieler des Erfurter Jugendtheaters „Die Schotte“ führten Brechts legendäres Radiolehrstück „Der Flug der Lindberghs“ auf, vier Poetry-Slammer aus Jena und Erfurt präsentierten Texte zur Demokratie und der Weimarer Stummfilmpianist Richard Siedhoff begleitete am Bauhaus gedrehte Stummfilme. Auch das Rahmenprogramm bot also ausreichend Gelegenheit, den „Goldenen Zwanzigern“ auf ganz unterschiedlicher Weise näherzukommen.