Tagung des Internationalen Graduiertenkollegs „Resonant Self–World Relations“

Ist Ordnung das Ergebnis einer immer neuen Wiederholung von (rituellen) Geschehnissen, wie es manche Sozialtheoretiker vertreten? Oder haben Religionsphilosophen wie Sören Kierkegaard recht, die behaupten, dass eine Wiederholung und damit ein Ordnung-Schaffen durch Ritualpraktiken überhaupt nicht möglich ist? Wie ist das Verhältnis von sinnentleerender und sinnvergegenwärtigender bzw. verwandelnder Wiederholung genauer zu fassen? Diesen Fragen widmet sich die Frühjahrstagung des Internationalen Graduiertenkollegs „Resonant Self–World Relations in Ancient and Modern Socio-Religious Practices“, die vom 10. bis 12. April im Priesterseminar Erfurt stattfindet.

Sie steht unter dem Titel „The Risk of Repetition: Precarious Continuities in Religion in Elsewhere“ und wird die von Bruno Latour jüngst eingebrachte neue Perspektive zum Ausgangspunkt nehmen, das Dilemma religiösen Wiederholens zum Gegenstand der Diskussion zu machen, und zwar sowohl aus sozialtheoretischer wie aus religionsphilosophischer Sicht – und auch unter Einbeziehung der diesbezüglich reichlichen poetologischen Forschung. Grundlage ist dabei eine der zentralen Fragen der Religionsdebatte sowie des Sozialen generell: Auf der einen Seite versucht eine einflussreiche Tendenz in der Sozialtheorie, Ordnung überhaupt als Ergebnis einer immer neuen Wiederholung von Geschehnissen zu begreifen, die zunächst nach einem idealisierten Modell religiöser Rituale verstanden werden; das reicht von Durkheim – der selbst Motive von Bonalds auf „Restauration“ zielender Soziologie aufgreift – bis zu neueren Konzepten von interactional ritual chains. Auf der anderen Seite steht – besonders prominent in Kierkegaards Wiederholungsschrift – ein religionsphilosophischer Zweifel daran, dass Wiederholung überhaupt möglich ist. Aus dieser Sicht wäre ein theoretischer Fokus auf Ritualpraktiken selbst schon problematisch.

Das Internationale Graduiertenkolleg „Resonant Self–World Relations in Ancient and Modern Socio-Religious Practices“ ist eine Kooperation des Max-Weber-Kollegs an der Universität Erfurt mit der Karl-Franzens-Universität in Graz. In Erfurt und in Graz arbeiten derzeit 19 Doktoranden an ihren Projekten; zweimal im Jahr wird eine Tagung organisiert, die neben den Vorträgen auch Gesprächsrunden beinhaltet, in denen die Doktoranden ihre Forschungsprojekte mit den anwesenden Experten diskutieren.

Anmeldungen zur Tagung sind bis zum 31. März 2019 möglich bei: elisabeth.begemann@uni-erfurt.de. Die Tagungsgebühr beträgt 20 Euro und enthält u.a. eine Pausenverpflegung.