MÆTERNITÀ: Uni Erfurt beteiligt sich an archäologischer Ausstellung in Rom

Im römischen Museum „Museo Nazionale Etrusco di Villa Giulia“ wird heute eine Ausstellung zum Thema „Mutterschaft und Stillen im antiken Italien“ eröffnet, die noch bis zum 2. Juni zu sehen ist. Beteiligt ist auch das Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt. Wie es dazu kam, erklären die wissenschaftliche Leiterin der Ausstellung, Giulia Pedrucci, und Oliver Schmerbauch, Koordinator des COFUND-Programms am Max-Weber-Kolleg.

Frau Pedrucci, die Eröffnung findet in wenigen Tagen statt. Was erwartet die Besucher?
Unser Ziel ist, archäologische Quellen zum Thema Mutterschaft und Stillen in den etruskischen und römischen Gesellschaften zu zeigen. Dabei geht es uns nicht nur darum, Mutterschaft als eine Beziehung zwischen Mutter und Kind zu verstehen, sondern als Aktivitäten, die viele Menschen einbeziehen und ihre Auswirkungen bis in das Erwachsenenleben des Kindes haben. Großmütter, Tanten, Ammen, Nachbarn, andere Familienmitglieder und Freunde aber auch Väter und Lehrer: In der Antike waren viele Menschen daran beteiligt, wenn es darum ging, Kinder aufzuziehen. Unsere Hauptausstellungsstücke sind kleine Tonfiguren, die von Familienmitgliedern in Heiligtümer aufgestellt wurden, um die Hilfe der Götter bei der Geburt und der Erziehung von Kindern zu erbitten. Sie zeigen nicht nur Mütter, die ihre Kinder halten oder stillen, sondern auch Paare, die sich um Kinder kümmern, oft auch zwei Frauen und ein Kind. Wer diese Menschen waren, wissen wir nicht immer. Die Figuren zeigen aber, dass Kinder in antiken Gesellschaften sehr wohl eine große Bedeutung hatten und von vielen Menschen mit Liebe und Aufmerksamkeit bedacht wurden.

Wer hatte denn eigentlich die Idee für diese Ausstellung, Frau Pedrucci?
Die Ausstellung war meine Idee. Sie zeigt in Bild und Objekt, welche Themen mich gerade beschäftigen und wozu ich gerade forsche. Es ist schwer zu sagen, wie viele Monate wir benötigt haben, um die Ausstellung auf die Beine zu stellen. Die intensivste Arbeitsphase begann jedoch im Februar 2019. Nun sind wir froh, dass es bald losgeht

Und warum werden die Universität Erfurt und das Max-Weber-Kolleg auf dem Plakat als Sponsoren genannt, Herr Schmerbauch?
Giulia Pedrucci forscht am Max-Weber-Kolleg im Rahmen eines Fellowships, das durch unser MWK-Fellows-COFUND-Fellowship-Programm ermöglicht wird. COFUND heißt es deshalb, weil sich das Max-Weber-Kolleg und die Europäische Union die Kosten für die jährlich bis zu zehn Fellowships teilen. Deshalb sind beide als Sponsoren auf dem Plakat sichtbar. Ein wichtiges Element des Fellowship-Programms ist dabei die Stärkung des Transfers von wissenschaftlichen Ergebnissen vom Universitäts-Kontext in eine breitere Öffentlichkeit hinein.  Hierfür sind wir ständig auf der Suche nach externen Kooperationspartnern wie Museen, Galerien, Schulen oder Vereinen, die unseren Wissenschaftlern helfen, Formate zu entwickeln, durch die sie mit ihrer Forschung eine breitere Öffentlichkeit erreichen können

Gibt es weitere Projekte, die ehemalige und gegenwärtige COFUND-Fellows innerhalb ihres Aufenthaltes in Erfurt organisiert haben?
Unsere Aktivitäten im Bereich Wissenschaftstransfer sind vielfältig. Erst kürzlich hat eine unserer COFUND-Fellows eine Ausstellung zum Thema „Kolonialismus in Erfurt“ mitorganisiert, die aktuell im Haus Dacheröden zu sehen ist. Eine andere war an einer Schule als Gastlehrerin tätig, weitere Fellows nahmen an Science Slams teil. Giulia Pedrucci selbst regte in einer Erfurter Apotheke an, dass sich die Mitarbeiter zum Thema Stillfreundlichkeit weiterbilden und dass die Apotheke als „stillfreundlich“ zertifiziert wird. Am 30. März wird eine unserer Fellows außerdem einen Studientag zu Meister Eckhart durchführen, der sich explizit an ein Publikum richtet, das nicht unbedingt aus der Universität kommt.  Wir freuen uns sehr darüber, dass unsere Ideen für kleine und große Projekte in diesem Rahmen bislang immer sehr positiv von der Öffentlichkeit angenommen wurden.