Papstbotschafter schenkt Erfurter Theologen Polyglottenbibel und Bodmer-Papyrus

Der offizielle Botschafter des Papstes in Deutschland, Erzbischof Dr. Nikola Eterović, hat der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Erfurt ein Exemplar der „Biblia Polyglotta“ sowie Kopien der Bodmer-Papyri XIV-XV zum Geschenk gemacht. Der Apostolische Nuntius bedankte sich damit für seine Einladung zum Patronatsfest der Fakultät sowie die Gastfreundschaft der Erfurter Theologen während seines Aufenthaltes in Erfurt.

Die „Biblia Polyglotta“, allgemeinhin auch als Polyglottenbibel bezeichnet, ist eine polygotte – also mehrsprachige – Bibel, die zwischen 1568 und 1573 in Antwerpen vom französisch-flämischen Buchdrucker und Verleger Christophe Plantin gedruckt wurde. Die Geschichte seiner Bibel spiegelt wissenschaftliches Streben als Antwort auf religiöse Umbrüche wider: Plantin lebte von 1520 bis 1589 in den Niederlanden, die seinerzeit Teil des Heiligen Römischen Reiches waren und vom spanischen Zweig der Habsburger beherrscht wurden. Die Herrschaft der Spanier war verbunden mit einer konsequenten Durchsetzung des katholischen Glaubens in der Bevölkerung. Die Reformation, und insbesondere die Verbreitung des Calvinismus seit den 1550er Jahren, brachten indes religiöse Unruhe und Spannungen ins Land.

Als 1562 bei einer Durchsuchung im Hause Plantins ein calvinistisches Pamphlet gefunden wurde, geriet der Drucker wegen des Verdachts auf Ketzerei unter Druck. Es folgten für ihn Jahre der Repression. Um seine Treue zur katholischen Kirche unter Beweis zu stellen, unterbreitete Plantin dem streng katholischen König Philipp II. die Idee, eine wissenschaftliche Ausgabe der Bibel zu drucken, die zu größten Polyglottenbibel des 16. Jahrhunderts werden sollte. 1568 wurde eine finanzielle Förderung des Projektes durch den König bewilligt. Fünf Jahre später wurde das Werk fertiggestellt.

Das Ergebnis war eine achtteilige Ausgabe der Bibel im Folioformat mit neuen wissenschaftlichen Ausgaben des Bibeltextes in insgesamt fünf Sprachen: Latein, Griechisch, Hebräisch, Syrisch und Aramäisch. Die Planung und Realisierung des Meisterwerkes gilt als eine der größten typografischen Projekte des 16. Jahrhunderts. Man spricht daher von der „Biblia Polyglotta“ auch als „Biblia Regia“, zu Deutsch: der königlichen Bibel. Christophe Plantin gilt damit als einer der einflussreichsten Buchdrucker seiner Zeit. Das Andenken an ihn lässt sich noch in unserem heutigen Alltag wiederfinden: Nach dem Drucker ist die Schriftart „Plantin“ benannt. Auf ihr wiederum basiert die populäre Serifenschriftart „Times New Roman“.

Die Apostolische Nuntiatur machte der Katholisch-Theologischen Fakultät noch ein weiteres Geschenk: eine Kopie des Bodmer Papyrus XIV-XV. Dessen Original befindet sich in der Apostolischen Bibliothek des Vatikans in Rom. Die Bodmer-Papyri sind eine Sammlung von Papyri, die 1952 in Ägypten entdeckt wurden. Benannt ist die Sammlung nach ihrem damaligen Käufer – Martin Bodmer, einem Schweizer Sammler. Die Papyri enthalten Teile des Alten und des Neuen Testamentes sowie Texte der frühen christlichen Literatur. Papyri XIV-XV im Besonderen erhalten den Nachdruck des ältesten erhaltenen Textes des Vaterunsers sowie des Prologs aus dem Evangelium des Heiligen Johannes. Die Entdeckung und Erforschung der Papyri nahm grundlegenden Einfluss auf die Textkritik des Neuen Testaments. Die Papyri gelangten 2007 in den Besitz des Vatikans nachdem die Bodmer-Stiftung, die seit dem Tod Martin Bodmers im Jahr 1971 dessen Nachlass verwaltet, zwei der insgesamt 22 Manuskripte zum Verkauf anbot. Mit dem Erlös sollten Anbauten der „Bibliotheca Bodmeriana“ in Genf finanziert werden.