Prof. Dr. Patrick Rössler bei der Ausstellungseröffnung in Paris

Bilder von diesseits und jenseits des Rheins

Unter dem Titel „Ein Querschnitt durch die neue Zeit“ („Vu avec un autre Regard“) zeigt die deutsche diplomatische Vertretung in Paris noch bis Ende Januar eine Ausstellung zu den Wechselbeziehungen im Magazin-Design der beiden Länder. Anhand originaler Exponate aus der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen verdeutlicht die Präsentation, wie sich die Medienentwicklung der Nachbarstaaten gegenseitig beeinflusste. Kurator der Ausstellung ist Prof. Dr. Patrick Rössler, Kommunikationswissenschaftler an der Universität Erfurt, der zu diesem Thema auch verschiedene Bücher veröffentlicht hat. Er erklärt: „Die Illustriertenpresse spiegelt Zeitgeschichte, und an den Titelblättern auflagenstarker Zeitschriften wie ‚Paris Match‘ oder der ‚Woche‘ lässt sich sehr gut ablesen, was die Gesellschaften in jener Zeit beschäftigte“.

Die Motive zeigen sowohl aktuelle Ereignisse wie den Absturz des Zeppelins „Hindenburg“ als auch die oft propagandistischen Auseinandersetzungen etwa um die Aufrüstung in beiden Staaten. Aber genauso wird das kulturelle Geschehen rund um den Film, die Mode oder den Sport thematisiert. Das Zentrum „Allemagne Diplomatie“ direkt gegenüber dem Sitz des französischen Senats im Palais du Luxembourg dient der Öffentlichkeitsarbeit der deutschen Botschaft und war am Eröffnungsabend reich besucht. In seiner Ansprache betonte Rössler, dass die Betrachtung historischer Medien auch Bedeutung für die Gegenwart entfalten kann – wenn ein Titelbild der „Neuen Revue“ von 1932 zum Beispiel unter dem Motto „Auch wo kein Licht ist, ist viel Schatten“ die Umrisse eines uniformierten Nazis zeigt, der den gesamten Reichstag verdunkelt.

Die Ausstellung, die von der Interdisziplinären Forschungsstelle für historische Medien der Universität Erfurt erarbeitet wurde, in der Kommunikations- und Geschichtswissenschaftler kooperieren, war außerdem Teil eines internationalen Konferenzprogramms, für das Forscher aus allen Teilen der Welt nach Paris gereist waren. Gemeinsam wurde auf Einladung der Sorbonne an Lösungen gearbeitet, um das empfindliche Zeitschriftenmaterial durch eine weitere Digitalisierung der interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Rössler unterstützte in seiner Keynote Speech auf dieser Tagung die Initiative zu einem europaweiten Umdenken im Urheberrecht, das der wissenschaftlichen Verwertung vieler historischer Dokumente aus dem 20. Jahrhundert bisher noch enge Grenzen setzt. „Visuelle Kommunikationsforschung ist nicht denkbar, ohne dass ihr Gegenstand – nämlich die Bilder in Zeitungen und Zeitschriften – zugänglich ist und in akademischen Veröffentlichungen angemessen verwertet werden kann“, so sein Plädoyer. Ein geplantes deutsch-französisches Forschungsprojekt soll hierzu ab 2019 weitere Impulse geben.