Kleine Synagoge, Erfurt

Die Kunst des Wahrnehmens im Zeitalter des Menschen

Das Anthropozän ist das Zeitalter der Menschen. Auch wenn wir längst von unserem Planeten verschwunden sein werden, werden unsere Spuren überall sein. Was für Spuren werden es sein? Das Anthropozän ist das Zeitalter des Übersehens. Zu groß, zu klein, zu schnell, zu langsam, zu oft, zu selten: Wenn es stimmt, dass Menschen ihre Spuren überall hinterlassen, dann tun sie es meistens da, wo sie selbst es nicht wahrnehmen können. Aisthesis, die Kunst des Wahrnehmens, wird im Zeitalter des Anthropozän zu einer Kunst der Skalierung. Zwischen Größenwahn und Hilflosigkeit: Wie können die einzelnen Menschen ihre Position finden im Zeitalter des Menschen?

Mit J. Henry Fair ist am Freitag, 30. November, ein international renommierter amerikanischer Fotograf Gast der Universität Erfurt. Bildbände wie „The Day After Tomorrow“ (2010), „Industrial Scars: The Hidden Costs of Consumption“ (2016) oder „On the Edge“ (2018) sind fotografische Exkursionen in die von Menschen veränderte Welt. In einer ökologischen Perspektive werden die großformatigen Zerstörungen dokumentiert, die sich aus der industriellen Nutzung natürlicher Ressourcen ergeben. Fair wird im Rahmen eines zweitägigen Workshops zum Thema „Aisthesis und Anthropozän. Visualität, Narrativität, Wissen“, der von der Forschungsgruppe „Verräumlichung und Kulturtechniken“ der Universität Erfurt in Kooperation mit dem DFG-Projekt „Narrative des Anthropozän in Wissenschaft und Literatur“ der Universität Vechta veranstaltet wird, seine aktuellen Projekte öffentlich vorstellen. Henry Fair widmet sich dabei dem Braunkohletagebau in Nordamerika und Deutschland sowie den Veränderungen an den Küsten der Ozeane. Zu seiner Präsentation „Coal Pits and Coast Lines“ sind alle Interessierten herzlich in die Kleine Synagoge Erfurt eingeladen. Beginn ist um 13.20 Uhr, Ende gegen 16 Uhr.

Um Anmeldung zum Workshop wird bei wolfgang.struck@uni-erfurt.de gebeten.

Programm