Prof. Dr. Benedikt Kranemann

DFG-Mitgliedschaft: „Der Antrag ist ein Projekt der gesamten Universität“

In diesen Tagen hat die Universität Erfurt eine Anfrage zur Aufnahme in die Deutsche Forschungsgemeinschaft gestellt. Was sie dazu veranlasst hat und was sie sich davon verspricht, darüber sprach „WortMelder“ mit Prof. Dr. Benedikt Kranemann, dem Vizepräsidenten für Forschung und Nachwuchsförderung an der Uni Erfurt.

Herr Prof. Kranemann, warum will die Uni Erfurt DFG-Mitglied werden – was hat sie davon?
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft ist die maßgebliche Institution der Forschungsförderung in Deutschland. Universitäten, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, wissenschaftliche Verbände und auch die Akademie der Wissenschaften sind Mitglied. Die DFG fördert nicht allein nationale und internationale Forschung etablierter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, sondern unterstützt auch den wissenschaftlichen Nachwuchs. Sie ist eine wichtige Stimme der Wissenschaft mit Blick auf die Politik, wird aber auch insgesamt in Gesellschaft und Wirtschaft gehört. Wenn wir als Mitglied in die DFG aufgenommen werden sollten, wäre das insofern reizvoll für uns und natürlich darüber hinaus eine Auszeichnung für die Universität Erfurt. Das hieße auch, in der DFG anders präsent sein zu können, als uns das bislang möglich ist. Das Verfahren für die Aufnahme ist aber komplex, es sind verschiedene Hürden zu nehmen. Es heißt also jetzt: abwarten. Aber keine Frage: Es wäre ein wirklicher Erfolg, wenn wir im 25. Jahr des Bestehens der wiedergegründeten Universität Erfurt in die DFG aufgenommen würden.  Entsprechend hoch sind unsere Erwartungen.

Welche Anstrengungen mussten unternommen werden, damit sich die Uni überhaupt für die Aufnahme bewerben konnte?
In den vergangenen Jahren ist viel in die Begleitung und Beratung von Anträgen bei der DFG, aber auch bei anderen Institutionen, die Forschung fördern, investiert worden. Der Erfolg ist heute sichtbar. In allen Fakultäten ist der Anteil an Drittmittelprojekten signifikant gestiegen. Das Bemühen um die Mitgliedschaft in der DFG hat uns als Universität aber auch insgesamt weitergebracht. Dazu zählt auch, dass wir uns als Universität über alle Forschungsvorhaben einen Überblick verschafft haben. Daraus ist dann ja auch die Forschungslandkarte entstanden, auf die die heutigen drei Schwerpunktfelder zurückgehen. Wir können selbstbewusst sagen: Was in unserer Universität in der Forschung geleistet wird, ist wirklich beachtlich und kann sich sehen lassen. Es ist gut, dies jetzt auch dokumentiert zu haben.

Und schließlich ist die Förderung gerade auch des wissenschaftlichen Nachwuchses, also von Promovierenden und Postdocs, in letzter Zeit sehr deutlich ausgebaut worden. Das Christoph-Martin-Wieland-Graduiertenforum zeigt das sehr schön. Die Aktivitäten in der wissenschaftlichen Begleitung wie in der Karriereentwicklung sind hier zusammengeführt worden. Nach einem Jahr können alle Beteiligten feststellen, dass viele auf dem Campus in diesem Forum mitarbeiten und sich mit großem Ideenreichtum einbringen. Wir bauen das Forum schrittweise weiter aus. Als nächstes gehen wir die Ausschreibungen eines Promotionspreises der Universität an. Und sehr viel tut sich gerade mit Blick auf das sogenannte „Karriere- und Qualifizierungsprogramm“ für den wissenschaftlichen Nachwuchs. Das alles sind Schritte, die für den Antrag auf Aufnahme in die DFG wichtig sind, die uns aber, und das ist ebenso hervorzuheben, als Universität weiter vorangebracht haben. Ob das ohne das Ziel „DFG“ vor Augen so oder zumindest so zügig gelungen wäre? Da wäre ich skeptisch.

Und wer hat am Antrag mitgewirkt?
Die Arbeit am Antrag hat Prof. Dr. Susanne Rau seinerzeit als Vizepräsidentin begonnen. Ich habe dann von ihr dieses Projekt im Oktober vergangenen Jahres übernommen. Prof. Dr. Jörg Rüpke konnte als Verantwortlicher für den Antragstext gewonnen werden. Dr. Matthias Engmann hat die redaktionelle Arbeit übernommen. Es gab Zuarbeit aus den Fakultäten und dem MWK, aus dem Präsidiumsbüro und den Stabsstellen der Universität. Nicht zuletzt aber haben alle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mitgewirkt, indem sie Publikationen in die Hochschulbibliografie eingegeben, Daten über Drittmittelprojekte zusammengestellt und z.B. auch die neuen Schwerpunktfelder beschrieben haben. Das muss man wirklich hervorheben: Der Antrag ist ein Projekt der gesamten Universität.

Was sind die nächsten Schritte, sprich: Wann werden wir von der DFG Antwort haben und was folgt daraus?
Das lässt sich im Moment noch nicht im Detail sagen. Derzeit liegt der DFG die sogenannte Anfrage vor, dass wir als Universität in die Deutsche Forschungsgemeinschaft aufgenommen werden möchten. Der nächste Schritt wird sein, dass das Präsidium der DFG entscheidet, ob es diese Anfrage und damit den Antrag aufnimmt. Dann wird es zur Begutachtung des Antrags und vor allem zu einer Begehung im nächsten Jahr hier in Erfurt kommen. Aber das ist alles noch Zukunftsmusik. Im Moment heißt es erst einmal, die Daumen zu drücken, damit unser Anliegen die erste Hürde nimmt.