Daniele Miano, Max-Weber-Kolleg

Vorgestellt: Dr. Daniele Miano ist neuer Fellow am Max-Weber-Kolleg

Daniele Miano ist Dozent für Alte Geschichte an der Universität Sheffield, England. Zuvor hatte er ein Postdoc-Forschungsstipendium am University College Dublin und einen Lehrauftrag für Alte Geschichte an der Universität Oxford. Er studierte in Rom, Manchester, Pisa und Paris und promovierte in Altertumswissenschaft an der Scuola Normale Superiore in Pisa. Seit September 2018 ist er als Humboldt-Stipendiat am Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt und wird dort für zwei Jahre zur Verbindung von antiken Gottheiten und sozialpolitischen Begriffen forschen. Eine Kurzvorstellung…

Einfach gesagt: Wie würden Sie einem Kind Ihr Forschungsprojekt erklären?
In meinem Projekt geht es u.a. darum, welche Namen die Menschen ihren Göttern vor sehr langer Zeit gaben. Daraus wiederum kann man ableiten, was damals generell für sie wichtig war.

Können Sie dafür ein Beispiel nennen?
Der Gott Jupiter wird beispielsweise auch Viktor oder Felix genannt. Da kann man nun hinterfragen, ob diese unterschiedlichen Bezeichnungen implizieren, dass es sich um einen Gott handelt, der Viktor und Felix vereint oder ob es zwei Götter Jupiter gab. Und neben diesen religiösen Aspekt gibt es noch einen semantischen – denn die zwei Namen haben unterschiedliche Bedeutungen. Viktor heißt, dass der Gott siegreich ist, während Felix hingegen eher betont, dass er glücklich und erfolgreich ist.

Und jetzt Ihr Forschungsprojekt erklärt für die „Großen“…
Mein Forschungsprojekt befasst sich mit den Bezeichnungen von Gottheiten im antiken Italien – eingegrenzt auf eine Region namens Kampanien und den Zeitraum von 600 vor Christus bis 200 nach Christus. Wie bereits erwähnt, haben die unterschiedlichen Namen für die Gottheiten zwei Seiten. Einerseits gibt es also einen religiösen, andererseits auch einen semantischen Aspekt – denn hinter den unterschiedlichen Bezeichnungen verbergen sich auch verschiedene Bedeutungen, die sich wiederum auf den historischen Kontext beziehen. Ausgehend von dieser historischen Semantik, möchte ich die antiken Gottheiten mit Begriffen vergleichen.

Denn auch ein Begriff kann verschiedene z.T. miteinander konkurrierende Bedeutungen und Erfahrungen ausdrücken, die sich über die Zeit verändern können und bedingt werden durch den sozialpolitischen Kontext bzw. die argumentierende soziale Gruppierung – genau wie bei den antiken Göttern. Ich glaube, dass mir dieser begriffliche Ansatz helfen kann, den translinguistischen und den -kulturellen Aspekt der Gottesbezeichnungen zu verstehen. So waren die verschiedenen Völker – von den Griechen, Römern bis hin zu den Etruskern – natürlich im Austausch. Ich möchte auf diese Art herausfinden, wie die Götter in eine andere Sprache und auch Kultur übersetzt wurden.

Mit was möchten Sie sich speziell hier in Erfurt beschäftigen?
Ich möchte die zwei Jahre am Max-Weber-Kolleg intensiv nutzen, um zunächst die dokumentarische Arbeit an den Primärquellen zu beenden. Darüber hinaus hoffe ich, mit dem Schreiben zu beginnen, denn mein Ziel ist es, ein Buch zu veröffentlichen.

Hat Ihr Forschungsthema, das sich also hauptsächlich mit historischen Aspekten beschäftigt, auch einen aktuellen Bezug?
Ja, davon bin ich überzeugt, da wir in einer wachsenden multikulturellen und -lingualen Gesellschaft leben. So ist die Übersetzung des Wortes Gott und religiöser Begriffe auch heute noch sehr relevant. Beispielsweise gibt es in vielen europäischen Ländern Debatten darüber, ob der Imam in Arabisch oder der lokalen Sprache predigen darf.

Was hat sie besonders an einem Forschungsaufenthalt am Max-Weber-Kolleg in Erfurt gereizt?
Hier am Max-Weber-Kolleg gibt es eine sehr interessante und zudem aktive Gruppe, die sich mit Alten Religionen beschäftigt – das betrifft besonders die Projekte rund um Prof. Dr. Jörg Rüpke. Diese Gruppe ist schon seit vielen Jahren sehr aktiv und erfolgreich – deren Projekte haben, meiner Ansicht nach, viel zur heutigen Meinungsbildung über antike Religionen beigetragen.

Wie würden Sie Ihren Forscheralltag in drei Worten beschreiben?
Vom Ideal ausgehend, würde ich eigentlich antworten „Lesen, denken, schreiben“ – aber das würde einen sehr wichtigen Aspekt des Forschens außer Acht lassen: mit Menschen reden. Zudem würde es verschweigen, was das Ganze eigentlich für ein chaotischer Prozess sein kann.
Daher ist „Lesen, denken, nochmals denken, nochmals lesen, wieder denken, sich austauschen und dann wieder denken und dann schreiben“ wohl zutreffender.

Haben Sie auch private Pläne für ihren Aufenthalt in Erfurt?
Ich möchte gern meine Deutsch-Kenntnisse verbessern, das Land erkunden und natürlich jede Menge Spaß haben.

Weitere Informationen: Dr. Daniele Miano