Prof. Dr. Maria Widl

Nachgefragt: „Welche Ergebnisse hat die Jugendsynode in Rom zutage gefördert, Frau Prof. Widl?“

Die Ordentliche Versammlung der Bischofssynode hat im Oktober zum Thema „Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsunterscheidung“ in Rom getagt. Mit dieser Synode wollte Papst Franziskus die Jugendlichen ins „Zentrum des Interesses“ rücken und mit ihnen in den Dialog treten – über ihren Glauben, ihre Erwartungen und Hoffnungen, aber auch ihre Kritik gegenüber der katholischen Kirche. Welche Ergebnisse hat die Synode zutage gefördert? „WortMelder“ hat bei Maria Widl, Professorin für Pastoraltheologie und Religions­pädagogik an der Universität Erfurt, nachgefragt…

„Die Ergebnisse der Synode liegen auf zwei Ebenen: Das eine ist die veröffentlichte Zusammenfassung, die Abschnitt für Abschnitt gemeinsam gelesen und von den versammelten Bischöfen mit mindestens Zweidrittelmehrheit angenommen worden ist. Auf der Basis dieses Abschluss-Dokuments, das in typisch kirchlicher Sprache verfasst ist, wird P. Franziskus einen eigenen Beitrag verfassen, von dem man mehr Mut und Frische wird erwarten können. Das andere ist der Prozess, der gegangen worden ist – und dieser ist bemerkenswert.

Am Anfang stand eine weltweite digitale Befragung von jungen Menschen über ihre konkreten Lebensumstände, ihre Werte, Wünsche und Sehnsüchte, ihr Lebenskonzept, ihre Berufsentscheidungen und ihr Denken über Glauben und Kirche. Dann tagte eine Vorsynode mit jungen Menschen, die die Thematiken weiter klären und einen Dialog in Gang bringen sollte. Auf ihrer Basis entstand jenes Arbeitsdokument, das Gegenstand der Synode war. Diese war durch eher jüngere Weihbischöfe geprägt, die die Jugendverantwortlichen ihrer Bistümer sind, durch die vielen Vertreter der jungen Kirchen in aller Welt und durch die Berater aus allen Bereichen der Jugendarbeit. Dazu kamen z.B. aus Deutschland abwechselnd in kleinen Gruppen die jungen Menschen der Vorsynode nach Rom, um ihren Bischöfen als Gesprächspartner zur Seite zu stehen. Regelmäßige Berichte und Beiträge in den digitalen Netzwerken, auch Tweeds und Videos, ermöglichten es, in aller Welt an der Synode und ihrem Fortgang Anteil zu nehmen und eigene Wahrnehmungen und Überlegungen zurück zu spiegeln. Entsprechend sieht das Abschlussdokument die jeweiligen Ortskirchen auch als die zentralen Akteure der Gestaltung von Ergebnissen, die sehr vielfältig ausfallen sollen und werden. Die deutschen bischöflichen Teilnehmer haben in ihren Beitrag zu den Ergebnissen der Synode eine Reihe von Selbstverpflichtungen aufgenommen, die mit ihrem neuen Blick und dem Hören auf junge Menschen ernst machen. Alle Dokumente und Stellungnahmen sind selbstverständlich digital zugänglich.

Das Abschlussdokument folgt wie der gesamte Prozess dem Dreischritt ‚Erkennen –  Interpretieren – Wählen‘. Im letzten Abschnitt werden sieben Bereiche als ‚drängende Herausforderungen‘ bezeichnet: die digitale Umwelt, der Brückenbau angesichts der Migration, die stärkere Beteiligung der Frauen in kirchlichen Entscheidungen, ein offener Dialog über Fragen der Sexualität und die Vermeidung jeder Diskriminierung wegen der sexuellen Ausrichtung, der Einsatz für soziale Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung, der interkulturelle und interreligiöse Dialog, sowie die Zusammenarbeit unter den christlichen Kirchen. Abschließend geht es um die Aus- und Weiterbildung der kirchlich Verantwortlichen in allen Bereichen. Dazu macht die Synode drei konkrete Vorschläge: Laien, Ordensleute und Priester sollen gemeinsam ausgebildet werden. Die Seelsorge für und die gemeinsame Arbeit mit jungen Menschen soll darin einen festen Bestandteil bilden. Und schließlich soll die Ausbildung der Priester ihnen vielfältige praktische Erfahrungen ermöglichen.

Man darf gespannt sein, inwieweit die Eindrücke von vier Wochen Synoden­prozess in Rom nach der Rückkehr in den Alltag erhalten bleiben und zu konkreten Veränderungen führen. In welchen Formen und Kontexten werden junge Menschen an den Ergebnissen Anteil nehmen können? Und andererseits wird sich zeigen, inwieweit junge Menschen die Lust und das Interesse aufbringen, sich auf neue Weise selbstbewusst und engagiert verantwortlich zu wissen für die Entwicklung der Welt, der Kulturen und auch der Kirche.“