Studierende der Uni Erfurt mit Eckhard von Hirschhausen. (Foto: privat)

Forschungsergebnisse von Erfurter Studierenden zur Organspende bei „Anne Will“ diskutiert

Der Vorstoß von Gesundheitsminister Spahn, eine doppelte Widerspruchslösung bei der Organspende einzuführen, sorgt aktuell für Diskussionen. Auch in der Talk Show „Anne Will“ wurde jetzt heftig diskutiert – auch über den Wert von Aufklärung. Dass gute Aufklärung effektiv Ängste und Wissen verändern kann, dafür machte sich Dr. Eckart von Hirschhausen stark und bezog sich auf eine Studie der Erfurter Master-Studierenden Sarah Drexler, Leonie Otten, Karen Pauli, Nora Katharina Küpke, Tetyana Kotovnykova und Dominik Daube.

Wer im Frühjahr in Erfurt bei Eckart von Hirschhausens Live-Show „Endlich“ in Erfurt war, mag sich erinnern: Eine große Gruppe Studierender aus dem Erfurter Master-Studiengang Gesundheitskommunikation befragte die mehr als 2.000 Gäste der Show zum Thema Organspende. Was da noch nicht verraten wurde: In Leipzig, wenig später, fand dieselbe Befragung statt – mit dem einzigen Unterschied, dass Eckart von Hirschhausen in der Erfurter Show eine zehnminütige Einlage zur Organspende darbot – und in Leipzig nicht. Sinn war, den Effekt dieser Einlage zu untersuchen. Hierzu wurden vor der Show, in der Show und einige Wochen nach der Show die Besucher zu ihren Ängsten befragt, ihrem Wissen und der Bereitschaft, einen Organspendeausweis auszufüllen und mit ihren Angehörigen darüber zu reden.

Die Studierenden teilten nun die Ergebnisse ihres Forschungspraktikums mit Dr. Eckart von Hirschhausen – über die er nunbei seinem Auftritt bei Anne Will berichtete. In der Tat hatte die kurze Einlage einen positiven und nachhaltigen Effekt: Die Bereitschaft, eine Entscheidung für oder gegen die Organspende zu treffen, mit Angehörigen darüber zu reden oder einen Organspendeausweis auszufüllen war vor den Shows in Erfurt und Leipzig etwa gleich. Die Einlage zur Organspende führte in Erfurt jedoch dazu, dass diese Bereitschaft signifikant anstieg – in Leipzig ohne die Einlage hingegen nicht. Dasselbe Muster zeigt sich mit der Einstellung zur Organspende – diese war nach der Einlage positiver als ohne die Einlage. Dieser positive Effekt und der Unterschied blieb auch über die Zeit bestehen, auch wenn er sich insgesamt etwas abschwächte.

Generell hatten die Besucher der Show nach der Einlage mehr Wissen und weniger Ängste als die Besucher ohne diese Einlage zur Organspende. Dieser Unterschied blieb auch nachhaltig über die Zeit bestehen. Weitere Analysen zeigen, dass Humor bei der Aufklärung über die Organspende eine wichtige Rolle spielen könnte: Besucher, die die Show und auch die Einlage zur Organspende lustiger fanden, waren generell bereiter, einen Organspendeausweis zu tragen.

Fazit: Wenn Aufklärung gut ist, kann sie etwas bewegen. Jedoch reicht es nicht, dass Menschen sich dazu bereit erklären, einen Organspendeausweis zu tragen – sie müssen es auch in die Tat umsetzen. Und hier hapert es oft – und hier könnte die Widerspruchslösung helfen, sagt Professorin Dr. Cornelia Betsch, die die Studierenden in ihrem Forschungspraktikum betreut: Ein Dreiklang aus Gesetzesänderung, guter Aufklärung und Verbesserung der Situation in den Krankenhäusern könnte dazu beitragen, dass vielen Menschen, die verzweifelt auf ein Organ warten, geholfen wird. Auch in der Thüringer Gesundheitspolitik sind die Studierenden aktiv; gemeinsam mit Professorin Dr. Constanze Rossmann sind einige Vertreterinnen Mitglied im neuen Thüringer Aktionsbündnis Organspende, in das die Arbeiten der Studierenden einfließen werden.