Baldwin Zettl: Die Flucht vor einem Märchen (Bremer Stadtmusikanten)

„gestochen scharf“ – Universitätsbibliothek Erfurt zeigt Kupferstiche von Baldwin Zettl zu Literatur

Die Universitätsbibliothek Erfurt zeigt in ihrem Ausstellungssaal vom 7. September bis zum 21. Dezember 2018 die Kunstausstellung „gestochen scharf – Kupferstiche von Baldwin Zettl zu Literatur“. Kooperationspartner ist das Bilderhaus Krämerbrücke Erfurt. Die Ausstellung wird am Freitag, 7. September, um 18 Uhr in Anwesenheit des Künstlers eröffnet. Das Grußwort spricht die stellvertretende Direktorin der Universitäts­bibliothek, Dr. Franziska Wein. Die Laudatio hält die Kuratorin der Ausstellung, Susanne Hebecker.

Baldwin Zettl (* 1943) gehört zu den zeitgenössischen Meistern des Kupferstichs und wird kunstwissenschaftlich der „Leipziger Schule“ zugeordnet. Die Schau präsentiert ausschließ­lich Kupferstiche zu Literatur, u.a. zu Goethe, Brecht, Shakespeare. Die Kuratorin und Kunsthistorikerin Susanne Hebecker führt in die Kunst Baldwin Zettls mit den Worten ein: „Die Frage nach dem, was der Mensch ist und was er sein kann, ist von zeitloser Brisanz. Inspiriert von Autoren der Weltliteratur hat sich der begnadete Kupferstecher Baldwin Zettl mit ihr auseinandergesetzt. In ebenso ernsthaften wie nuancierten Darstellungen interpretiert er gedanklich und ästhetisch klug die Spannweite menschlichen Verhaltens. Scheitern und Triumph, Freundschaft, Liebe und Verrat wer­den in gleich­nishafte Figurationen und ausdrucksvolle Gestik übertragen. In gedrängten Bildszenen bewegen sich seine Gestalten wie in einem Sog kosmischer Strömungen nach einer dramatischen Choreografie. Zettls Kunst ist weit mehr als illustrative Wiedergabe. Seine Bildfindungen sind Projektionen mensch­licher Möglichkeiten, die in den gezeigten Gestalten aufscheinen. Frei und beflügelt evoziert der Künstler kühne, ja bestürzende Vergleiche zwischen literarischen Stoffen und seiner Gegenwart. Immer wieder fasst er seelische Ausnahmezustände, die gefährliche Macht des Irrtums und die irrationale Verrätselung des Daseins als Motiv der Erschütterungen unserer Zeit.“

Baldwin Zettl studierte in den 1960er-Jahren an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Seine Lehrer waren Werner Tübke, Gerhard Kurt Müller und Rolf Kuhrt. Bereits im Studium setzte er sich mit Literatur auseinander, übersetzte die Texte mit Finesse ins Bild. Inzwischen ist sein Œuvre immens angewachsen. Er hat Texte von Goethe, Shakespeare, Büchner, Storm, Brecht, Heine u.a. einfühlsam und tiefsinnig, eigenwillig und präzise ausgedeutet. Stets gelingt es ihm, das Existenziell-Menschliche ins Sichtbare und Eindrückliche zu heben.

Die Universitätsbibliothek Erfurt zeigt eine Auswahl aus dem umfangreichen Œuvre Zettls, und zwar eine Auswahl aus der Gruppe der Kupferstiche zu Literatur. Sowohl ältere als auch jüngere Arbeiten von Baldwin Zettl sind zu sehen. Einige Vorzugsausgaben mit originalen Grafiken Zettls sowie Bücher, die der Künstler illustriert hat, – Objekte, die sich im Besitz der Universitätsbibliothek Erfurt befinden – ergänzen die Ausstellung.

Für die Vertreter der Presse besteht bereits am Donnerstag, 6. September, die Möglichkeit zu einer Vorbesichtigung. Beginn ist um 10 Uhr im Ausstellungssaal der Bibliothek, 1. Ober­geschoss. Als Gesprächspartnerinnen stehen Ihnen an diesem Tag die Kuratorin der Ausstellung, Susanne Hebecker, und die stellvertretende Direktorin der Universitätsbibliothek Er­furt, Dr. Franziska Wein, zur Verfügung. Bitte teilen Sie uns bis Dienstag, den 4. September, per E-Mail an direktion.ub@uni-erfurt.de mit, ob Sie an der Vorbesichtigung mit Interviewmöglichkeit teilnehmen können. Wir freuen uns auf Ihren Besuch! Gern stellen wir Ihnen auch entsprechendes Bildmaterial zur Verfügung.

Die Ausstellung ist dann jeweils von montags bis freitags (außer feiertags), von 10 bis 17 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Lesen Sie dazu auch das Interview mit Baldwin Zettl.

Weitere Informationen / Kontakt:
Holger Schultka
E-Mail: holger.schultka@uni-erfurt.de

www.uni-erfurt.de/bibliothek/gestochenscharf

Fotonachweis: Die Flucht vor einem Märchen (Bremer Stadtmusikanten), 2013, 17,5 x 24,4/19,3 cm