Präventionstraining zum Umgang mit Missbrauchsfällen: Studierende erhalten Zertifikat

Erstmals haben Studierende der Universität Erfurt jetzt ein Zertifikat über die erfolgreiche Teilnahme an einem Präventionstraining zum Umgang mit Missbrauchsfällen erhalten. Die Studierenden hatten im Sommersemester an einem Seminar „Sexueller Missbrauch von Minderjährigen im Kontext von Institutionen“ teilgenommen, jetzt wurde ihnen das Zertifikat von Cordula Hörbe, der Präventionsbeauftragten des Bistums Erfurt, überreicht. Es weist die Teilnehmer als fachlich geschulte Kräfte in der Auseinandersetzung mit Missbrauchsfällen aus und befähigt sie zur weiteren Arbeit mit Minderjährigen in Institutionen und Vereine, für die Kinderschutz von Relevanz ist.

Das Seminar wurde in diesem Semester bereits zum 11. Mal an der Universität Erfurt angeboten. Unter der Leitung von Prof. Dr. Myriam Wijlens, Kirchenrechtlerin an der Universität Erfurt, sowie Ursula Samietz, der Missbrauchsbeauftragten des Bistums Erfurt, betrachtete das Seminar die Rechtslage von Missbrauchsfällen nach deutschem und kirchlichem Strafrecht sowohl mit Hinblick auf das Delikt als auch auf die Prozessordnung. Darüber hinaus wurden die Ursachen des Missbrauchs insbesondere aus psychologischer Sicht reflektiert: Gibt es so etwas wie ein Täter- und Opferprofil? Was ist ein Pädophiler? Welche Umstände begünstigen den Missbrauch oder erschweren die Meldung? Wie stellt man fest, ob ein Kind die Wahrheit sagt? Folgerichtig behandelte das Seminar auch die Frage nach Präventionsmaßnahmen: Wie können sich Kinder wehren? Wie können sich Institutionen und ihre Mitarbeiter schützen bzw. was ist ein vernünftiger Umgang mit Kindern und Jugendlichen? Was kann man tun, damit Täter in Zukunft nicht erneut missbrauchen?

„Das Seminar ist sehr stark nachgefragt“, erklärt Myriam Wijlens. „Studierende aus allen Fachbereichen der Universität besuchen die Lehrveranstaltung – Theologie, Psychologie, Lehramt, Rechtswissenschaften und viele andere. Bei der Vielzahl der Themen, die das Seminar behandelt, kann man gut auf solch ein breites Wissensspektrum aufbauen.“ Gleichzeitig beobachtet Wijlens ein vorwiegend weibliches Interesse an dem Thema. „Männliche Studierende zeigen sich weniger interessiert“, erklärt sie. Diese Beobachtung streicht Wijlens umso mehr heraus, als dass das Seminar nicht nur Präventionsmaßnahmen zum Fremdschutz anbietet. Gerade männliche Studierende – etwa mit Schwerpunkt in den Sportwissenschaften auf Lehramt –, können hinsichtlich eines etwaigen Selbstschutzes von dem Thema betroffen sein.

Wijlens erforscht bereits seit 1987 Fälle sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen. Als Theologin und Kirchenrechtlerin liegt ihr Arbeitsschwerpunkt dabei in der Katholischen Kirche. Anfang dieses Jahres ernannte sie Papst Franziskus zum Mitglied der Päpstlichen Kommission für den Schutz von Minderjährigen. „Das ist eine sehr international und interdisziplinär besetzte Kommission und ich freue mich, dass die dort erworbenen Kenntnisse nun auch den Studierenden der Universität Erfurt zugute kommen.“