Solveig Richter

Friedens- und Konfliktforscher aus dem Global Norden und dem Süden zusammenbringen

Unter dem Titel „Friedens- und Konfliktforschung: Perspektiven aus dem Globalen Süden“ lädt die Juniorprofessur für International Conflict Management an der Willy Brandt School of Public Policy der Universität Erfurt, Prof. Dr. Solveig Richter, am 3.  und 4. Mai zu einer internationalen Fachkonferenz nach Erfurt ein. „WortMelder“ sprach im Vorfeld mit ihr über die Veranstaltung…

Frau Prof. Richter, an wen richtet sich die Veranstaltung, wer werden Ihre Gäste sein?
Die Fachkonferenz ist als größerer, zweitägiger Workshop konzipiert, zu dem wir mehr als 40 internationale Friedens- und Konfliktforscher in Erfurt begrüßen werden. Ich bin besonders stolz darauf, dass wir eine ganze Reihe renommierter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem sogenannten Globalen Süden tatsächlich dafür gewinnen konnten, etwa Prof. Salamanca aus Kolumbien, Prof. Manchanda und Prof. Behera aus Indien, Prof. Ahmed aus Bangladesh oder Dr. Ewi aus Südafrika. Doch nicht nur etablierte Forscherinnen und Forscher werden mit diskutieren – die Konferenz gibt gerade auch Nachwuchswissenschaftlern und Brandt-School Alumni des Studienschwerpunktes „Conflict Studies and Management Program“ (CSMP) die Gelegenheit, ihre eigenen Forschungsprojekte in einem großen Kreis vorzustellen. An dem gesamten Workshop nehmen darüber hinaus als Zuhörer auch eine ganze Reihe Gäste der Universität Erfurt und anderer deutscher Forschungsinstitutionen wie dem GIGA – dem Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien in Hamburg – teil. Die Planungen für die Konferenz laufen seit nunmehr einem Jahr – ein Gemeinschaftsprojekt von allen Post-Doktoranden und Doktoranden an meiner Professur ist, ohne deren Ideen und Kontakte so etwas nicht möglich gewesen wäre.

Was ist das Ziel der Konferenz, worum genau soll es gehen?
Die Konferenz hat sich zum Ziel gesetzt, Friedens- und Konfliktforscher aus beiden Hemisphären, also dem Global Norden und dem Globalen Süden zusammenzubringen, um wissenschaftlich eine systematischere Integration von bislang eher fragmentierten Ansätzen in beiden Regionen zu erreichen. Es stehen etwa Fragen im Mittelpunkt, wie: Gibt es eine Diskrepanz zwischen den akademischen Debatten des Globalen Südens und des Globalen Nordens, z.B. in Bezug auf grundlegende Konzepte, Forschungsfragen, Paradigmen – oder gibt es auch Uneinigkeit innerhalb beider Hemisphären, z.B. kritische vs. empirische Konfliktstudien zur Rolle von externen Interventionen? Wie sehen wir die Beiträge von Wissenschaftlern des Globalen Südens in der Friedens- und Konfliktforschung? Sind diese angemessen repräsentiert oder müssen wir Routinen der Wissensproduktion im Norden stärker hinterfragen? Wir wollen damit nicht nur die akademische Debatte zwischen dem Globalen Süden und dem Globalen Norden stärken, sondern auch Akademiker des Globalen Südens untereinander stärker vernetzen. Und nicht zuletzt: Wir möchten nicht nur ÜBER sondern MIT dem Globalen Süden diskutieren.

Gibt es so etwas wie einen Höhepunkt der Veranstaltung?
Einer der Höhepunkte der Tagung ist auf jeden Fall die öffentliche Podiumsdiskussion mit der Friedensnobelpreisträgerin von 2011, Tawakkol Karman, zum Thema „Frauen für den Frieden: Zwischen Anpassung und Opposition“ am Donnerstag. Es ist schon etwas Besonderes, eine engagierte Frau willkommen zu heißen, die mit dem Friedensnobelpreis für ihren friedlichen Kampf für Frauen- und Menschenrechte in einer so schwierigen Region wie mit dem Mittleren Osten geehrt wurde.

Was geschieht mit den Ergebnissen der Tagung?
Wir möchten die Ergebnisse der Tagung natürlich zeitnah in einer Zeitschrift oder in einem Sammelband publizieren. Damit gerade auch Nachwuchswissenschaftler aus dem Globalen Süden ohne Zugang zu den zum Teil teuren Zeitschriftenlizenzen davon profitieren können, beabsichtigen wir, die entsprechenden Papiere in einem Open-Access-Format zur Verfügung zu stellen. Und wir hoffen natürlich sehr, dass die Tagung in einem Forschernetzwerk und somit auch langfristiger Kooperation mündet, damit wir vielleicht bald wieder eine große Anzahl internationaler Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Erfurt begrüßen können.