Erfurter Theologen diskutieren mit Kollegen in Polen über „Theologie in der Öffentlichkeit“

Unter dem Titel „Theologie in der Öffentlichkeit“ veranstalten das Theologische Forschungskolleg der Universität Erfurt und die Theologischen Fakultät der Universität Opole vom 21. bis 23. März eine Tagung in Polen. Unter den Teilnehmern werden auch Wissenschaftler aus Slowenien und Tschechien sein.

Wie bringt sich die Theologie in die wissenschaftliche und gesellschaftliche Öffentlichkeit ein? Die Situation stellt sich in West- sowie in Mittel- und Osteuropa sehr unterschiedlich dar. Die Möglichkeiten, sich in der pluralen Gesellschaft zu artikulieren, sind hier wie dort gegeben, aber finden doch sehr unterschiedliche Resonanz. Wie dies geschieht, führt sowohl in Polen als auch vor allem im westlichen Ausland immer wieder zu Diskussionen, auch unter Theologen. Aufgrund der besonderen Rolle, die die katholische Kirche für den politischen Transformationsprozess in Polen gespielt hat, ist sie dort in besonderer Weise in der Öffentlichkeit und den Medien sowie in politischen Debatten präsent. Die Situation in Polen ist nur aus der Zeitgeschichte heraus verständlich. Das gilt ebenso für Tschechien, wo die katholische Kirche wie die Theologie in der kommunistischen Zeit brutal verfolgt wurden und in einer Gesellschaft, die stark säkularisiert ist, bis heute nach ihrer Rolle suchen. Anders wiederum ist die Situation in Deutschland mit dem besonderen Verhältnis von Kirche und Staat, aber einer mittlerweile ebenfalls unübersehbaren Entkirchlichung. Die Tagung wird sich mit der Frage befassen, wie das Verhältnis von Theologie und Öffentlichkeit sich in den einzelnen Ländern gestaltet. Modelle einer diakonischen Kirche in religionsloser Gesellschaft sollen diskutiert werden. Die Liturgie inmitten der Gesellschaft wird Thema sein, wenn mit Blick auf Polen Liturgie anlässlich der Staats- und Nationalfeste und für Deutschland Liturgie im Rahmen staatlicher Trauerfeiern nach Katastrophen diskutiert werden. Einzelne Vorträge gehen auf die Rolle von Kirche und Religion in Film, Literatur und neuen Medien ein. Wie sich Sozialethik oder Religionspädagogik in die öffentlichen Diskussionen einbringen können, wird ebenfalls Thema sein. In Kurzvorträgen werden zudem Promovierende darstellen, was sich für ihre Forschungsthemen mit Blick auf die säkulare Gesellschaft ergibt.

Das Theologische Forschungskolleg hat bereits mehrere Tagungen mit den Theologen aus dem polnischen Opole organisiert und wird die Reihe weiter fortsetzen. „Das ist eine gute Chance“, sagen Julia Knop, Benedikt Kranemann und Jörg Seiler, „den wissenschaftlichen Austausch zwischen der Theologie beider Länder voranzubringen und mehr von unseren polnischen Nachbarn zu erfahren.“ Besonders wichtig sei der Einbezug von Promovierenden: „Auch wenn wir uns geografisch nahe an Polen befinden, brauchen wir noch viele solcher Formen des wissenschaftlichen Austausches, um uns näherzukommen. Die Tagungsreihe ist dafür ein Baustein.“

Foto: Das Gebäude der Theologischen Fakultät in Opole (Polen).