Erfurter Dom bei Nacht

Vortrag: Rituale im Kontext von Religionen neu entdeckt

Rituale gehören zu den wichtigsten Praktiken, die Gemeinschaften hervorbringen, erhalten und verändern. Ohne Rituale gäbe es weder Gefühle der Zusammengehörigkeit noch Soziales. Rituale bilden insbesondere durch Inklusion und Exklusion Gemeinschaften und stiften deren Identität. Wie aber geschieht das genau? Und welche Bedeutung haben die körperlichen Inszenierungen von Ritualen für deren Wirkmächtigkeit? „Die Wiederentdeckung der Bedeutung von Ritualen in den Kulturwissenschaften heute. Perspektiven historischer Anthropologie“ ist das deshalb auch das Thema eines Vortrages, den Prof. Dr. Christoph Wulf (Berlin) am Dienstag, 16. Januar 2018, halten wird. Beginn ist um 19.30 Uhr im Coelicum, Domstraße 10.

Prof. Wulf, der im Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie und im Arbeitsbereich Anthropologie und Erziehung an der Freien Universität Berlin tätig ist, hat ausführlich zu Ritualen und besonders Performanz von Ritualen veröffentlicht. Er forschte intensiv zu Emotionen, Gesten und Sinnen im Ritual, einem Gebiet, dass innerhalb der Ritualforschung noch relativ wenig untersucht war. Wulf schreibt zum Thema seines Vortrags in Erfurt: „In der körperlichen Inszenierung und Aufführung von Ritualen und Ritualisierungen begegnen sich Menschen und zeigen einander, wer sie sind und wie sie ihr Verhältnis zu anderen Menschen, zu anderen Gemeinschaften und zur Welt begreifen. Rituale sind wichtige Strategien, Gefühle der Zusammengehörigkeit und des Vertrauens zu schaffen. Sie lassen sich als szenische Aufführungen performativen Handelns und Ergebnis mimetischer Prozesse verstehen. Einige rituelle Inszenierungen und Aufführungen entstehen spontan, andere hingegen bilden sich in einem Kontext und sind nur in diesem begreifbar. Wegen der in vielen Ritualen implizit enthaltenen Macht- und Deutungsstrukturen bedarf es auch einer kritischen Auseinandersetzung mit ihnen. Diese ist für die Bewahrung des lebendigen Charakters von Ritualen und deren Weiterentwicklung unerlässlich.“

Veranstalter des Vortrags sind das Theologische Forschungskolleg und das Research Centre „Dynamik ritueller Praktiken im Judentum in pluralistischen Kontexten von der Antike bis zur Gegenwart“. Der Eintritt ist frei.

Weitere Informationen/Kontakt:
Prof. Dr. Benedikt Kranemann
benedikt.kranemann@uni-erfurt.de