Exponat Ottawa, Forschungsbibliothek Gotha

Schätze der Forschungsbibliothek Gotha in Ottawa. Ein virtueller Einblick

Die Forschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt hat gemeinsam mit der Bibliothek der Saint Paul University Ottawa die Ausstellung „Die Reformation – Übersetzung und Übertragung: Bibliotheksschätze aus Deutschland und Kanada“ konzipiert. Die Schau wurde begleitend zu der internationalen Tagung „1517 – 1867 – 2017. Von der Reformation zur Globalisierung in Kanada, Deutschland und der Welt“ am 5. Oktober in Ottawa eröffnet. Die Forschungsbibliothek sandte dafür sieben herausragende Werke als virtuelle Exponate nach Kanada. Zum nahenden Abschluss des Reformationsjahres geben sie noch einmal einen kleinen Einblick in die bedeutenden reformationsgeschichtlichen Sammlungsbestände der Forschungsbibliothek:

 

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Ein bedeutender biblischer Kommentar

In einer Reihe von Vorlesungen an der Universität von Wittenberg kommentierte Martin Luther 1516/17 sowie 1531 ausführlich die Paulinischen Briefe an die Galater. Erstmals 1535 gedruckt, werden Luthers Ausführungen bald zu seinen bedeutendsten biblischen Kommentaren gerechnet. Ihre Verbreitung erfolgte rasch: Mehrere Neuauflagen wurden über die folgenden Jahrzehnte hinweg publiziert und das Werk wurde in viele verschiedene Sprachen übersetzt – darunter Deutsch, Französisch und Englisch –, um ein breiteres Publikum zu erreichen.

Martin Luther. IN EPISTOLAM S. PAVLI AD GALATAS COMmentarius, ex praelectione D. Martini Lutheri collectus, Wittenberg: Hans Lufft, 1535. VD16 B 5080. FB Gotha, Theol 4° 324-325(8), Titelblatt.

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Luthers Übersetzung des Buches Jeremia

Mit der Veröffentlichung des Neuen Testaments im September 1522 erreichte Luther den ersten Meilenstein seiner Mammutaufgabe der Bibelübersetzung aus dem hebräischen, aramäischen und griechischen Original in ein umgangssprachliches und doch wortgewandtes Deutsch. Die Gesamtübersetzung vollendete er jedoch erst im Jahr 1534. Gezeigt wird hier das Originalmanuskript der Übersetzung des Buches Jeremia aus dem Alten Testament, die Luther 1530 während seines Aufenthaltes auf der Veste Coburg anfertigte.

Martin Luthers Übersetzung des Buches Jeremia, [1530]. FB Gotha, Chart. B 142, fol. 31v-32r.

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Kleiner Katechismus auf Niedersorbisch

Wie kaum ein anderes geschriebenes Werk Luthers ist sein Kleiner Katechismus beispielgebend dafür, wie er seine Theologie dem Volk nahebrachte. Unzählige Neuausgaben und -auflagen folgten der Erstausgabe von 1529. Schnell wurde der Katechismus in zahlreiche europäische Sprachen übersetzt. Die erst kürzlich entdeckten Fragmente der hier gezeigten Ausgabe sind einige der frühesten noch existierenden schriftlichen Beispiele der niedersorbischen Sprache.

Niedersorbische Übersetzung von Martin Luthers „Kleinem Katechismus“, [vor 1569].
FB Gotha, Chart. A 125a, fol. 1r.

Exponat Ottawa, Forschungsbibliothek Gotha
Exponat Ottawa, Forschungsbibliothek Gotha
Exponat Ottawa, Forschungsbibliothek Gotha
Luthers Lieder auf Griechisch

Der renommierte griechische Philologe Martin Crusius (1526–1607) übersetzte Ende des 16. Jahrhunderts 53 Lieder von Luther und anderen Reformatoren ins Altgriechische und kommentierte sie. Das war Teil seiner langjährigen und doch vergeblichen Bemühungen, einen Zusammenschluss zwischen dem Luthertum und der Griechisch-Orthodoxen Kirche herbeizuführen, nachdem er gemeinsam mit anderen Professoren der Universität Tübingen 1573 Kontakt mit dem Patriarchen von Konstantinopel aufgenommen hatte.

Martin Luthers Lied “Wir glauben all’ an einen Gott” (1524), übersetzt und kommentiert in Griechisch und Latein von Martin Crusius, 1598. FB Gotha, Chart. A 1027, fol. 17v-18r.

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Sendbrief vom Dolmetschen

In seinem berühmten Sendbrief vom Dolmetschen stellte Luther die grundlegenden Prinzipien seiner Bibelübersetzung dar. Er war eine Antwort auf die lautgewordene Kritik, er habe viele Passagen zu frei übersetzt. In seiner Verteidigung argumentierte Luther, es bedürfe einer theologisch klaren und leicht verständlichen Sprache. Deshalb habe er die Heilige Schrift in einen Sprachstil übertragen, den Mütter zu Hause, Kinder auf der Straße und das gemeine Volk auf dem Marktplatz sprechen.

Martin Luther: Ein Sendbrieff/ von Dolmetschen/ vnd Fürbitte der Heiligen …, Wittenberg: Georg Rhau, 1530. VD16 L 5951. FB Gotha, Theol. 4° 225/6 (14), Titelblatt.

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Eine Übersetzung aus Antwerpen

Diese französische Übersetzung von Luthers Kommentar zum Brief an die Galater wurde 1584 in der flämischen Stadt Antwerpen veröffentlicht. Der Titel zeigt eindeutig an, dass diese Schrift zu den Hauptwerken des Reformators über die Lehre von der Rechtfertigung durch den Glauben gerechnet wurde. Der Kommentar wurde erstmals 1552 ins Französische übersetzt, als es in Genf Bestrebungen gab, ein Bild des theologischen Einklangs zwischen Luther und Calvin zu vermitteln.

DECLARATION ENTIERE DES FONDEMENS DE LA DOCTRINE CHRESTIENNE, faicte par Martin Luther sur l’Epistre de S. Paul aux Galatiens: en laquelle est contenue vne vraye & parfaicte exposition de la iustification, qui est par la foy en Iesus Christ. Nouuellement reneuë, curieusement corrigée, & augmentée (suyuant le Latin) de ce qui a esté obmis en l’impression Françoise au-par-auant mise en lumiere …, Antwerp: Arnout Coninx, 1584. FB Gotha, FB Gotha, Theol 4° 146/2, Titelblatt.

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Die Confessio Augustana als Taschenbuch

Diese deutsch-französische Taschenbuch-Ausgabe der "Confessio Augustana", der konfessionellen Grundlage der protestantischen Kirchen, wurde in Dresden im Rahmen des 200-jährigen Reformationsjubiläums veröffentlicht. Es umfasst die ökumenischen Glaubensbekenntnisse sowie Luthers Lied „Ein feste Burg ist unser Gott” und sollte vielleicht auch dazu dienen, die von Frankreich nach Sachsen exilierten Hugenotten für den Lutherischen Glauben zu gewinnen.

Die dem Käyser CAROLO V. Höchstlöbl. Gedächtniß, Von den Protestantischen Fürsten und Ständen des H. Röm. Reichs Deutscher Nation, im Jahre 1530. Übergebene wahre, reine und ungeänderte Augsburgische CONFESSION. … LA CONFESSION d’ Augsbourg. Prelenteé autrefois à l’ Empereur CHARLES V. l’ an M.D.XXX. Par les Princes & les Etats Protestans …, Dresden: Mieth’s heirs, 1717. FB Gotha, Th 8° 1822, Titelblatt.

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