Der Fakultätschor der Universität Erfurt.

Wolkenhimmelwärts: Konzert des Fakultätschores der Universität Erfurt in Wittenberg

„Wo Gott ist, da ist Zukunft“, schallt es laut durch die Kirche. Chor und Konzertpublikum feuern sich gegenseitig an. „Er lädt uns ein, mit ihm zu gehen“, geht es weiter, es hätte auch heißen können, er lädt uns ein, mit ihm zu singen.

Aus seinem aktuellen Programm „wolkenhimmelwärts – Lieder und Musik von heute für morgen“ präsentiert der Fakultätschor der Universität Erfurt neue und neueste geistliche Lieder und greift damit ein altes Anliegen der reformatorischen Zeit auf. Auf Einladung der Deutschen Bischofskonferenz und des Bistums Erfurt gab er jetzt ein Konzert mit diesem Repertoire zum Refomationssommer in der Lutherstadt Wittenberg.

Neben Komponisten und ihren Werken aus den großen Epochen der Kirchenmusikgeschichte sind die neue Klänge und Töne immer ein wichtiger Teil des Chor-Programms, in dem Studierende der verschiedensten Studienrichtungen miteinander singen und musizieren. „Ich bin immer wieder erstaunt, dass gerade junge Menschen ohne kirchlichen Hintergrund oder Kirchenzugehörigkeit so gern geistliche Werke singen und sich auf deren Inhalte einlassen“, sagt der Musiker und Chorleiter und -gründer Ekkehard Fellner. „Wir haben uns seit zwei Jahren intensiv mit dem einsetzenden Liederschaffen in der Zeit unmittelbar nach der Reformation beschäftigt. Die Dynamik in dieser Aufbruchsstimmung, in der viele Lieder neu entstanden, verbreitet und gesungen wurden, in denen Glaubensinhalte formuliert und gefestigt wurde, ist einfach faszinierend.“ Ob deutsche Übertragung eines lateinischen Textes, Adaptierung einer Gregorianischen Vorlage oder kreative Neuschöpfung: Immer wird der Einzelne und die versammelte Gemeinde in den Blick genommen bei der Schaffung des neuen Repertoires für die Verwendung der Lieder in Gemeindekatechese und Privatandacht. „Allein die Zahl der entstandenen Kompositionen lassen uns heute noch voll Staunen und Respekt auf diese Zeit blicken“, stellt eine der jungen Chorsängerinnen fest. Schließlich wurden diese Lieder nach und nach auch fester und wichtiger Bestandteil des sonntäglichen Gottesdienstes in den Gemeinden.

Eine ähnliche Dynamik findet sich seit den 1970er-Jahren im Bereich der geistlichen Popularmusik, in der im Bereich des Sacropop, des Neuen Geistlichen Liedes oder in der Gospelbewegung eine Vielzahl an Neukompositionen entstanden ist und neben das bewährte, klassische Repertoire getreten ist. Hochgeschätzt oder skeptisch betrachtet, ungeliebt oder geliebt – diese neuen Lieder sind ein fester Bestandteil gottesdienstlichen und gemeindlichen Lebens geworden: auf Kirchentagen, bei Rüstzeiten, Konfirmationen und einfachen Gemeindegottesdiensten. Die Klassiker dieser stehen inzwischen in den Gesangbüchern, die neuesten werden auf Kopien und Handzetteln gedruckt untereinander ausgetauscht. „Was aber von der Fülle der unterschiedlichsten Kompositionen und Liedern bleibenden Charakter hat und ein Klassiker werden wird, das wird man erst in einigen Jahrzehnten wissen können“, fügt Ekkehard Fellner schmunzelnd hinzu. „Es ist einfach wunderbar, neue Lieder kennenzulernen und gleich mitsingen zu dürfen. Welch ein Klangerlebnis, wenn die ganze Kirche vom Gesang erfüllt wird“, freut sich eine Besucherin aus Stuttgart, die diesen Tag in Wittenberg verbringt und spontan zum Konzert kam. Und schon stimmt sie wieder mit ein in ein ganz altes Lied, das Martin Luther ins Deutsche übertragen hat, in neuem musikalischen Gewand präsentiert: „Verleih uns Frieden gnädiglich…“.

(Foto: Andreas Neumann, Ilmenau)