altes Buch

It‘s magic

Erst entdeckten sie in der Leipziger Universitätsbibliothek eine Jahrhunderte alte Sammlung von Handschriften mit Zaubersprüchen, jetzt haben sie daraus selbst ein Buch gemacht: Dr. Bernd-Christian Otto von der Universität Erfurt und Daniel Bellingradt, Juniorprofessor für Buchwissenschaft an der FAU in Erlangen, wissen, wie man seinerzeit Geister beschwor oder sich unsichtbar machte. Am 17. September wird ihr Buch unter dem Titel „Magical Manuscripts in Early Modern Europe. The Clandestine Trade in Illegal Book Collections“ in englischer Sprache im Verlag Palgrave MacMillan erscheinen.

Eigentlich war es Zufall dass die beiden Historiker in den Leipziger Archiven auf die Schriftensammlung aus dem späten 17. Jahrhundert stießen. Dabei dürfte sie eine der bedeutendsten Sammlungen gelehrtenmagischer Handschriften Kontinentaleuropas sein – 140 Manuskripte voller Anleitungen zur Geisterbeschwörung oder zur Zubereitung eines magischen Liebestranks mit jeder Menge Hokuspokus und Abrakadabra. „Klar, dass wir von unserem Fund begeistert waren“, sagt Bernd-Christian Otto. Aber so geheimnisvoll und beinah unwirklich die Zeilen heute für uns klingen mögen, die Menschen in der damaligen Zeit nutzten Rituale in dem Glauben, damit beispielsweise Krankheiten oder Unwetter vertreiben, eine gute Ernte einfahren oder eine heimlich Angebetete für sich gewinnen zu können. All dies natürlich im Verborgenen – denn die Niederschrift solchen „Hokuspokus’“ war unter Strafe verboten. Umso wertvoller erscheint nun der Fund von Bellingradt und Otto  –  Abschriften und Übersetzungen von bis zu 1600 Jahre alten Quellen, darunter auch ganz praktische Anleitungen zur Dämonenbeschwörung oder den Bau von Wünschelruten und Glücksbringern. Das magische Wissen aus jüdisch-christlichen und muslimischen Traditionen, dem Orient oder dem alten Ägypten – zusammengefasst auf rund 10.000 Seiten. Und dabei gibt es erstaunliche Ähnlichkeiten zwischen den Texten, selbst wenn sie in völlig verschiedenen Sprachen verfasst wurden.

Nun wartet die Fachwelt mit Spannung auf die Veröffentlichung von Bernd-Christian Otto und Daniel Bellingradt, denn während sich die Forschung bislang eher auf Texte aus dem Mittelalter oder der Frühen Neuzeit konzentrierte, geben die nun in Leipzig entdeckten und hierzulande einzigartigen Manuskripte Einblicke in die Entwicklung der Gelehrtenmagie im 17. und 18. Jahrhundert und füllen somit eine wichtige Forschungslücke.

Lesen Sie dazu auch den Artikel von Alina Schadwinkel in „DIE ZEIT“: http://www.zeit.de/wissen/geschichte/2017-08/magie-zauberei-zaubersprueche-europa-schriften-sammlung-leipzig-forschung/komplettansicht